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Dienstag, 17. Januar 2012

Links der Woche: Ablehnungsschreiben einer Literaturagentur und Tipps, wie man es richtig macht

Die Literaturagentin Christine Koschmieder sammelt auf ihrem Autorenschrittmacher-Blog Pfade durch den Buchmarkt-Dschungel Absagen an Autoren. Schon die Überschriften sind so aussagekräftig, dass ich zu den einzelnen Absagen verlinke. Bereits daran erkennen Sie, wie Sie es nicht machen sollten (gilt übrigens auch für Einreichungen bei Verlagen):

Ablehnungsgründe einer Literaturagentin. 1. Mangelnde Sorgfalt

Ablehnungsgründe einer Literaturagentin. 2. Unvollständige Autorenvita

Ablehnungsgründe einer Literaturagentin. 3. Schlechtes Timing

Ablehnungsgründe einer Literaturagentin. 4. Bereits von mehreren, ungenannten Verlagen abgelehnt

Ablehnungsgründe einer Literaturagentin. 5. Welches Schweinderl hätten's denn gern? Manuskripte im Bauchladen

Ablehnungsgründe einer Literaturagentin. 6. Agenturprofil ignoriert

Ablehnungsgründe einer Literaturagentin. 7. Im Ton vergriffen

[Abgelehnt] Hinweise zur Manuskripteinreichung missachtet

Abgelehnt: Aus Angst, keine Träne vergießen zu können

Abgelehnt: Im Genre-Karussell

Abgelehnt: Vorsicht mit der Etikettierung

Abgelehnt: Wilde Versprechungen

Abgelehnt: Dem Klischee auf den Leim gegangen

Christine Koschmieder gibt aber dankenswerterweise auch Tipps, wie Sie es richtig machen, so zum Verlagsanschreiben, zum Exposé, zur Autorenvita und vielem andere mehr. Stöbern Sie einfach mal in ihrem Blog.

Lesebefehl: Damit  Sie keine Einträge verpassen, können Sie sie auch per Mail abonnieren.

Anmerkung: *seufz* Auch wenn Sie alles gelesen und verinnerlicht, also Ihr Exposé, Anschreiben, Ihre
Autorenvita usw. dementsprechend optimiert haben, ist eine Annahme Ihres Manuskripts durch eine Agentur oder einen Verlag leider nicht garantiert. Die ist wohl doch manchmal von des Schicksals Mächten abhängig.

Samstag, 14. November 2009

Wie Joanne Rowling versuchte, ihr Buch zu verkaufen


Joanne Rowling wusste ebenso wenig wie die meisten Autoren, wie man ein Buch verkauft und hatte sich darüber offensichtlich auch keine Gedanken gemacht. Vielleicht war es vor fünfzehn Jahren auch nicht so wie heute, wo allgemein verlangt wird, dass man unter anderem Verkaufsargumente nennt, was wiederum daran liegen kann, dass man sich damals noch nicht ausführlich im Internet informieren konnte.

Aber sie war von ihrem Manuskript so überzeugt, dass sie auf den ersten Seiten von Harry Potter und der Stein der Weisen Professorin McGonagall, stellvertretende Schulleiterin von Hogwarts, sagen ließ: »Er wird berühmt werden - eine Legende –, es würde mich nicht wundern, wenn der heutige Tag in Zukunft Harry-Potter-Tag heißt – ganze Bücher wird man über Harry schreiben – jedes Kind auf der Welt wird seinen Namen kennen!«

– Berühmt ist er geworden, einen Harry-Potter-Tag gibt es bisher noch nicht. –

Also suchte Joanne Rowling aus einer Liste Londoner Literaturagenturen die Agentur Christopher Little heraus, einfach, weil ihr der Name so gut gefiel. Auf einen Zettel, es war noch nicht mal ein Brief, schrieb sie mit der Hand:
30 June 199? (die Jahreszahl ist schwer lesbar)

Dear Mr Little,
I enclose a synopsis and sample chapters of a book intended for children aged 9-12. I would be very grateful if you could tell me if you would be interested in seeing the full manuscript.

Yours sincerely,
Joanne Rowling
(Sehr geehrter Mr. Little,
anbei schicke ich Ihnen eine Zusammenfassung und drei Probekapitel eines Buches für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Interesse hätten und gern das vollständige Manuskript einsehen würden.

Mit freundlichen Grüßen
Joanne Rowling)
Christopher Little, der heute immer noch ihr Agent ist, sagt dazu in einem Interview: »Ganz zu Anfang waren wir in der Agentur richtig angetan von dem Buch, aber es ließ sich schwer verkaufen. Und von den Verlagen erhielten wir nicht wenige Absagen. Es war zu lang und außerdem nicht politisch korrekt, weil Harry sozusagen auf ein Internat ging.«

(Das ganze Interview können Sie hier lesen, dort finden Sie auch den Original‘brief').

Das Ergebnis ist bekannt.

Ob uns das Mut machen kann? Ich fürchte nein. Heute würde das Manuskript allein wegen des Begleitzettels ungelesen in den Papierkorb wandern. Schade.

Dienstag, 8. Juli 2008

14 Fragen, die Sie sich vor der Verlagssuche stellen sollten


  • Was ist das Einmalige an meinem Werk? (Verkaufsargument)
  • Warum möchte ich überhaupt über das Thema schreiben und warum sollte gerade ich darüber schreiben? (Motivation, Verkaufsargument)
  • Warum soll gerade dieser Text veröffentlicht werden? (Verkaufsargument)
  • Ist das, was ich schreibe, wichtig? (Nutzen für die Zielgruppe)
  • Welchen Gewinn hat mein Leser durch mein Buch? (Nutzen für die Zielgruppe)
  • Weiß ich wirklich etwas Neues oder ist nicht alles schon gesagt? (Konkurrenz)
  • Weiß ich mehr als andere Autoren? (Verkaufsargument, Konkurrenz)
  • Worin unterscheidet sich mein Konzept von anderen Büchern zu dem Thema? (Konkurrenz)
  • Welche Bücher gibt es schon zu dem Thema (Konkurrenztitel)?
  • Wer wird das Buch kaufen und in welcher Situation wird er das Buch kaufen? (Zielgruppe und Käufermotivation)
  • Und natürlich, wie lang darf das Werk sein, was kann ich dem Leser zumuten?
    Fragen Sie sich vor allem, wie Sie Ihr Buch schreiben sollen. KIRST gibt einen guten Rat:
    »Von dem Menschen ist alles zu erwarten, so gut wie nichts ist in seinem Bereich undenkbar. Der Autor kann dabei Leidensgefährte, Beobachter oder Arzt sein – die Allmacht ist er nicht. Er beginnt also nicht gleich bei Nietzsche, und am sichersten bei Hemingway oder Fallada, das heißt: Tatsachen, Zustandsschilderungen, Aussagen, aber nicht Visionen, Vermutungen, Unterstellungen. Die Faustregel also: mache dich verständlich, sei lesbar! Und das auf eine Weise, daß dich ein Straßenkehrer versteht und ein Professor Genuß bei der gleichen Lektüre empfindet. Ich weiß, das ist ein Wunschtraum. Jedoch: ein schöner Wunschtraum. Es würde ein Autorenleben lohnend gemacht haben, wenn das jemals erreicht werden sollte.«
    (Zuzufügen wäre noch: Schreiben Sie so, dass der Leser Sie gern liest und sich nicht langweilt. Das bedeutet u. a. eine verständliche Sprache, nicht mit erhobenem Zeigefinger schreiben und als Sachbuchautor Spaß daran haben, Ihr Wissen weiterzugeben.)

    Wenn Sie alle Fragen beantwortet und sich Kirsts und meine Worte (und Schreibtipps) zu Herzen genommen haben, müssen Sie nur noch möglichst hundert potentielle Käufer suchen (in Ihrer Schreibgruppe, im Kirchen-, Landfrauen-, Verwandten- oder Freundeskreis, im Internet, bei Xing, in Ihrem Autorenverband, in der Ortsgruppe Ihrer Partei) und dann können Sie sich frohgemut an einen seriösen Verlag wenden.