Neulich las ich eine sehr interessante Frage: »Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Autor und einem Schriftsteller?«. Darüber hatte ich zwar auch schon nachgedacht, aber wie mir scheint, nicht genug. Ich hatte nämlich die beiden Begriffe immer als Synonym verwendet und manchmal einfach nur, um Platz zu sparen.
Das Wort Verfasser, das ich auch gern verwende, ist übrigens kein Synonym für Autor oder Schriftsteller, sondern die Eindeutschung des Begriffs Autor durch Philipp von Zesen im siebzehnten Jahrhundert. Ihm verdanken wir auch so schöne Wörter wie Bücherei (für Bibliothek), Letzter Wille (für Testament), Moment (für Augenblick), Freistaat (für Republik) und Weltall (für Universum); dass er den Gesichtserker geprägt hat, ist allerdings ein Gerücht. Das Wort Schriftsteller (von Schriftensteller) wiederum, das seit 1616 belegt ist, ist die Eindeutschung von Concipient (von lat. concipere = verfassen, zusammenfassen), womit jemand gemeint war, der für andere juristische Schreiben aufsetzte (Schriften stellte). Das Wort war anfangs negativ besetzt, wie auch die Schriftstellerei zeigt, erst im 18. Jahrhundert wurde es aufgewertet. Seither ist auch die Berufsbezeichnung Schriftsteller für jemanden, der berufsmäßig eine schriftstellerische Tätigkeit ausübt, üblich. Die Eindeutschung Schöngeist für Belletrist oder bel esprit wurde jedoch schnell fallengelassen.
Ich habe also ein bisschen recherchiert und fand im Ultimativen Literaturforum diese Definition:
Der Unterschied zwischen Dichter, Schriftsteller und Autor liegt in ihrer Eigenschaft: Dichter - erstellt ein aus freiem Gedankengut geschaffenes Werk der Lyrik; Schriftsteller - Schöpfer von Epik und Dramatik-Werken; Autor - Erfasser von vorgegebenen Fakten, Wissen und Hypothesen (Fach- und Sachbücher).Dann fand ich zufällig eine Seite, auf der der Unterschied zwischen Autor und Schriftsteller meiner Meinung nach am besten erklärt wird (und stellte beim Lesen der Definition bei Wikipedia fest, dass auf beiden Seiten genau dasselbe steht, wie so oft, wenn man die geistreichen Ausführungen eines Autors bewundert und dann feststellen muss, dass sie von Wikipedia ohne Angabe der Quelle geklaut wurden). Daraufhin googelte ich nach »Ein Autor (lat.: auctor; Urheber, Schöpfer, Förderer, Veranlasser)« und fand auf der Seite Fragen zu Wikipedia folgendes:
Verwendung des Begriffes "Autor"Schließlich stieß ich auf eine Diskussion bei WP zu dem Thema, bei der es eigentlich darum geht, wann Personen als Autor und wann als Schriftsteller kategorisiert werden. Besonders wichtig erscheint mir der Beitrag: »Nochmal: Autor oder Schriftsteller«, in dem jemand aus seiner »historisch-literaturwissenschaftlichen Praxis« dazu Stellung nimmt (warum »Homer ... kein Schriftsteller, aber ein Autor« war, verstehe ich allerdings nicht).
Immer öfter hört und liest man diese falsche Verwendung des Begriffes Autor, leider auch in der WP. … Im Artikel Autor lese ich zunächst einmal richtig "Ein Autor (lat.: auctor; Urheber, Schöpfer, Förderer, Veranlasser) ist der Verfasser oder geistige Urheber eines Werkes". Im weiteren Verlauf des Artikels … scheint es mir dann teilweise auch unscharf zu werden. Und überall findet man dann "Autor" als Beruf oder als Tätigkeit. Wenn jemand Bücher geschrieben hat, sollte man dann nicht "Schriftsteller" schreiben? Und "Autor" auf seine eigentliche Bedeutung beschränken, also "der Autor von "Die Feuerzangebowle"", "Autor mehrerer bekannter Romane", "Autor des grundlegenden Werkes in dieser Disziplin", "Autor der bekanntesten Biographie des Königs" etc.?
Das Autorenmagazin schreibt übrigens in seinem Beitrag »Traumberuf: Auf Platz 8 der Skala«, dass es für keinen Beruf so viele Bezeichnungen gibt
wie für den, der den Kopf so lange strapaziert, bis die Hand endlich schreibt: Dichter, Journalisten, Poeten, Schriftsteller, Verfasser, Prosaisten, Erzähler, Epiker, Romanciers, Novellisten, Essayisten, Dramatiker, Lyriker, Glossen- und Stückeschreiber, Drehbuchautoren, Literaten, Skribenten, Verse- oder Reimschmiede, Biographen, Texter. Auch die dienstbaren Ghostwriter gehören mit zur Familie der Autoren.Es bat die Leser, weitere Bezeichnungen für diesen Beruf einzuschicken. Das Ergebnis gibt es hier.
Die Bezeichnungen Literaturproduzenten, Buchstabenhengste, Pegasus’ Töchter, Goethes Erben und Frauen der Feder, die ich mir mal notiert hatte, wurden leider nicht in die Liste aufgenommen.
Langer Rede, kurzer Sinn: Der Bibliothekar, Lexikograph und Germanist Johann Christoph Adelung hatte es bereits im 18. Jahrhundert in seinem Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart auf den Punkt gebracht:
In weiterer Bedeutung ist Schriftsteller ein jeder, welcher eine eigene Schrift durch den Druck bekannt gemacht hat, welcher etwas geschrieben hat; mit einem Lateinischen Ausdrucke, ein Autor.Ich denke, daran könnte man sich halten. Was Verlage damit meinen, wenn sie verkünden, dass sie Autoren »machen«, weiß ich allerdings immer noch nicht.
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