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Sonntag, 19. September 2010

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Autor und Schriftsteller?


Neulich las ich eine sehr interessante Frage: »Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Autor und einem Schriftsteller?«. Darüber hatte ich zwar auch schon nachgedacht, aber wie mir scheint, nicht genug. Ich hatte nämlich die beiden Begriffe immer als Synonym verwendet und manchmal einfach nur, um Platz zu sparen.

Das Wort Verfasser, das ich auch gern verwende, ist übrigens kein Synonym für Autor oder Schriftsteller, sondern die Eindeutschung des Begriffs Autor durch Philipp von Zesen im siebzehnten Jahrhundert. Ihm verdanken wir auch so schöne Wörter wie Bücherei (für Bibliothek), Letzter Wille (für Testament), Moment (für Augenblick), Freistaat (für Republik) und Weltall (für Universum); dass er den Gesichtserker geprägt hat, ist allerdings ein Gerücht. Das Wort Schriftsteller (von Schriftensteller) wiederum, das seit 1616 belegt ist, ist die Eindeutschung von Concipient (von lat. concipere = verfassen, zusammenfassen), womit jemand gemeint war, der für andere juristische Schreiben aufsetzte (Schriften stellte). Das Wort war anfangs negativ besetzt, wie auch die Schriftstellerei zeigt, erst im 18. Jahrhundert wurde es aufgewertet. Seither ist auch die Berufsbezeichnung Schriftsteller für jemanden, der berufsmäßig eine schriftstellerische Tätigkeit ausübt, üblich. Die Eindeutschung Schöngeist für Belletrist oder bel esprit wurde jedoch schnell fallengelassen.

Ich habe also ein bisschen recherchiert und fand im Ultimativen Literaturforum diese Definition:
Der Unterschied zwischen Dichter, Schriftsteller und Autor liegt in ihrer Eigenschaft: Dichter - erstellt ein aus freiem Gedankengut geschaffenes Werk der Lyrik; Schriftsteller - Schöpfer von Epik und Dramatik-Werken; Autor - Erfasser von vorgegebenen Fakten, Wissen und Hypothesen (Fach- und Sachbücher).
Dann fand ich zufällig eine Seite, auf der der Unterschied zwischen Autor und Schriftsteller meiner Meinung nach am besten erklärt wird (und stellte beim Lesen der Definition bei Wikipedia  fest, dass auf beiden Seiten genau dasselbe steht, wie so oft, wenn man die geistreichen Ausführungen eines Autors bewundert und dann feststellen muss, dass sie von Wikipedia ohne Angabe der Quelle geklaut wurden). Daraufhin googelte ich nach »Ein Autor (lat.: auctor; Urheber, Schöpfer, Förderer, Veranlasser)« und fand auf der Seite Fragen zu Wikipedia folgendes:
Verwendung des Begriffes "Autor"
Immer öfter hört und liest man diese falsche Verwendung des Begriffes Autor, leider auch in der WP. … Im Artikel Autor lese ich zunächst einmal richtig "Ein Autor (lat.: auctor; Urheber, Schöpfer, Förderer, Veranlasser) ist der Verfasser oder geistige Urheber eines Werkes". Im weiteren Verlauf des Artikels … scheint es mir dann teilweise auch unscharf zu werden. Und überall findet man dann "Autor" als Beruf oder als Tätigkeit. Wenn jemand Bücher geschrieben hat, sollte man dann nicht "Schriftsteller" schreiben? Und "Autor" auf seine eigentliche Bedeutung beschränken, also "der Autor von "Die Feuerzangebowle"", "Autor mehrerer bekannter Romane", "Autor des grundlegenden Werkes in dieser Disziplin", "Autor der bekanntesten Biographie des Königs" etc.?
Schließlich stieß ich auf eine Diskussion bei WP zu dem Thema, bei der es eigentlich darum geht, wann Personen als Autor und wann als Schriftsteller kategorisiert werden.  Besonders wichtig erscheint mir der Beitrag: »Nochmal: Autor oder Schriftsteller«, in dem jemand aus seiner »historisch-literaturwissenschaftlichen Praxis« dazu Stellung nimmt (warum »Homer ... kein Schriftsteller, aber ein Autor« war, verstehe ich allerdings nicht).

Das Autorenmagazin schreibt übrigens in seinem Beitrag »Traumberuf: Auf Platz 8 der Skala«, dass es für keinen Beruf so viele Bezeichnungen gibt
wie für den, der den Kopf so lange strapaziert, bis die Hand endlich schreibt: Dichter, Journalisten, Poeten, Schriftsteller, Verfasser, Prosaisten, Erzähler, Epiker, Romanciers, Novellisten, Essayisten, Dramatiker, Lyriker, Glossen- und Stückeschreiber, Drehbuchautoren, Literaten, Skribenten, Verse- oder Reimschmiede, Biographen, Texter. Auch die dienstbaren Ghostwriter gehören mit zur Familie der Autoren.
Es bat die Leser, weitere Bezeichnungen für diesen Beruf einzuschicken. Das Ergebnis gibt es hier.

Die Bezeichnungen Literaturproduzenten, Buchstabenhengste, Pegasus’ Töchter, Goethes Erben und Frauen der Feder, die ich mir mal notiert hatte, wurden leider nicht in die Liste aufgenommen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Der Bibliothekar, Lexikograph und Germanist Johann Christoph Adelung hatte es bereits im 18. Jahrhundert in seinem Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart auf den Punkt gebracht:
In weiterer Bedeutung ist Schriftsteller ein jeder, welcher eine eigene Schrift durch den Druck bekannt gemacht hat, welcher etwas geschrieben hat; mit einem Lateinischen Ausdrucke, ein Autor.
Ich denke, daran könnte man sich halten. Was Verlage damit meinen, wenn sie verkünden, dass sie Autoren »machen«, weiß ich allerdings immer noch nicht.

Kommentare:

  1. Das Thema hatte ich im Rahmen "Ausnahmezustand Literatur" auch hier behandelt: http://www.nemono.de/files/ausliteratur.html

    Kurz: Schriftsteller ist ein "Zustand" und hat mit Veröffentlichungen rein gar nichts zu tun.

    Grüße,
    MM

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  2. Homer ist kein Schriftsteller, da die von ihm formulierten Sagen bereits allgemein bekannt waren, bevor er sich mit ihnen auseinander setzte. Soll heißen: Er hat sich nicht die Handlung, sondern nur ihre Formulierung ausgedacht. Somit ist er der Autor seiner Epen, aber eben kein Schriftsteller.

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  3. Liebe Jutta,

    vielen Dank für deinen Beitrag, der hat mir sehr geholfen. :)
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Du einen Beitrag über "konstruktive Kritik" schreiben könntest. Immer, wenn ich wirklich! konstruktive Kritik schreibe, werde ich blöd von der Seite angemacht und abgestempelt, als habe ich das Werk des anderen schlechtgemacht.
    Ich meine, konstruktiv bedeutet ja, dass man ganz normale, in netter Weise, Verbesserungsvorschläge abgibt und nicht schreibt "Das ist kacke, scheiße, etc."
    Auch wenn ich NOCH SO versuche konstruktiv zu sein, so viele nehmen das negativ auf!

    Wenn ich mir so manche Kritiker anschaue, die Jungautoren oder andere Autoren in öffentlichen Medien durch ihre harte Kritik regelrecht in der Luft zerreissen, frage ich mich, wie diese Leute bei sowas reagieren würden? In der Ecke sitzen, weinen und apathisch hin und her schaukeln? :/

    Ich wäre Dir wirklich sehr dankbar, wenn Du sowas schreiben würdest. Denn so langsam zweifel ich an der Kritikfähigkeit anderer Menschen. Ich selbst habe schon harte Kritik erhalten, die meine Fehler geradezu aufgelistet haben. Aber dadurch verbessert man sich doch nur.

    Ich verstehe das nicht. Bin kein Arschkriecher-Typ und einmal habe ich ein Mädchen mit (wirklich NORMALER) konstruktiver Kritik (in der ich ihre Art zu zeichnen auch gelobt hatte) zum weinen gebracht. Verstehe einer Menschen...
    Ich bin wirklich ratlos. Offenbar fehlt die Aufklärung, WAS konstruktive Kritik ist, wie sie ausfällt und wie sie aufzunehmen ist. Man kann nunmal nicht alles in Blumen schreiben. Wenn jemand um Tipps bittet, muss er doch damit rechnen welche zu bekommen?

    Hm.

    Liebe Grüße,
    Lily.

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  4. Brauch man eine Ausbildung oder ähnliches?

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