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Montag, 26. November 2007

Die IGdA sucht noch Gedichte für ihren Adventskalender

Was wäre die Weihnachtszeit ohne Adventskalender? Die IGdA sucht für ihren Adventskalender 2007 Weihnachtsgedichte. Bitte schicken Sie Ihr Gedicht (bitte nur eins) mit Namen und Anschrift versehen an Waltraud Weiß, adventskalender@igda.net. Die schönsten Gedichte werden wir hinter 23 Türen verstecken, das allerschönste erscheint am 24. 12. und wird mit einem Jahresabo unserer Literaturzeitschrift „IGdA-aktuell“ prämiert.

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

Mittwoch, 21. November 2007

Die Angst vor dem weißen Blatt Papier. IV

… und nun?

… wenn die Gedanken ausgehn, mal ich Rössel. (SCHILLER)

Es gibt nur einen Trick, der genau genommen keiner ist: sitzen bleiben. (Christoph PETERS)

Statt Ihr noch nicht verdientes Geld für einen Psychiater zum Fenster hinauszuwerfen, sollten Sie es lieber mit erschwinglicheren Methoden versuchen. Greifen Sie zu Lockerungsübungen: Schildern Sie die Einrichtung Ihres Arbeitszimmers, skizzieren Sie den Blick aus Ihrem Küchenfenster. Schreiben Sie einen Brief an Ihre Freundin oder einen Unbekannten, der gerade auf der Straße vorüber spaziert, und schildern Sie Ihre Lage. Oder schreiben Sie einen Brief an sich selbst mit Anrede und Gruß und Unterschrift am Ende. Tippen Sie auf die erste Seite: Mein Name ist XY und ich bin die beste Schriftstellerin aller Zeiten. Fabulieren Sie von dem, was sein wird, wenn Sie den Nobelpreis erhalten haben. Schreiben Sie, wie gut Sie sich finden, welche Talente Sie an sich mögen – loben Sie sich! Fluchen Sie über das Buch, die Figuren, die Handlung, spinnen Sie mit dem Thema rum. Schreiben Sie an dem Brief weiter, wenn es Sie (wieder einmal) erwischt hat.

Sagen Sie sich: Was soll’s, dann blamiere ich mich halt, ich schreib jetzt irgend etwas. Oder finden Sie auf die Frage: Was befürchtest du? die richtige Antwort. Beschwören Sie dieses Schreckensbild.

Schreiben Sie einfach los, möglichst nah am Thema, doch ohne einen einzigen Gedanken an Rechtschreibung, Grammatik, Stil oder hehre Gedanken zu verschwenden (ja, ich weiß, ich weiß, der Aus-Schalter im Gehirn ist schwer zu finden …). Das Schlimme ist ja, dass sich Schriftsteller oft selbst im Weg stehen, weil sie auf Anhieb perfekt sein möchten. Deshalb: schreiben, schreiben, schreiben! Und wenn es Schrott ist, der in die Tasten fließt (der fällt später der gestrengen Löschtaste zum Opfer). Erlauben Sie sich wirres Schreiben. Irgendein Satz legt plötzlich den Schalter im Gehirn um und der Text bekommt eine Seele. Vor allem haben Sie sich von dem Zwang befreit, sofort druckreif schreiben oder überhaupt etwas zu Papier bringen zu müssen.

Drucken Sie die Seiten aus und entspannen Sie anschließend den Kopf: spielen Sie Skat, aalen Sie sich in einem Schaumbad, arbeiten Sie an etwas ganz anderem. Oder knuddeln Sie die Katze, säubern Sie die Tastatur, den Spiegel im Bad. Auch der Besuch bei Ihrer Kosmetikerin wirkt Wunder (man fühlt sich danach jung und vital und unwiderstehlich). Im schlimmsten Fall sehen Sie fern. Setzen Sie sich einige Stunden später gemütlich auf dem Sofa oder im Ohrensessel an das Geschriebene und überarbeiten Sie es. Vielleicht wirkt ein absurd wirkender Satz plötzlich überaus eindrucksvoll. Verknüpfen Sie einen Einfall mit etwas gerade Erlebtem oder in Verbote Liebe oder bei Vera, Britt oder Oliver Geissen Geschautem (schauen Sie sich also auch solche Sendungen an. Das, was dort gezeigt oder gesagt wird, so idiotisch es auch erscheinen mag, ist das Leben selbst, Sie können sich das gar nicht ausdenken). Dann sieben Sie das Ganze und Sie werden sehen: die Nuggets bleiben hängen.

Oder lesen Sie meine Vorschläge für Schreibanlässe und schreiben Sie eine andere Geschichte als die, bei der Sie stecken geblieben sind. Nutzen Sie die Cluster-Methode (keine Sorge, was das ist, erkläre ich ein andermal): Stöbern Sie im Netz und in den Medien nach Begriffen, tragen Sie sie in Ihrem Schatzkästchen von Stichworten und Ideen zusammen. Clustern Sie die Begriffe und Sie werden den Knoten platzen sehen. Oder: Überlegen Sie laut vor sich hin. Wenn die Gedanken klar formuliert sind, purzeln irgendwann die Assoziationen nur so auf die Seiten.

Wichtig ist, dass Sie sich regelmäßig an den Schreibtisch setzen und wenigstens einige Sätze schreiben (und schieben Sie keinen Lumpi vor, der Sie daran hindert).Sie können natürlich auch das Unterbewusstsein oder Ihre Träume für sich arbeiten lassen. Sagen Sie sich: Das Problem packe ich jetzt ins Dunkel der hintersten Gehirnwindung; dort kann es vor sich hin köcheln und gar werden. Die Lösung taucht dann meist von allein auf in seltsamen Situationen: beim Kochen, beim Einkaufen oder eben beim Mohrrüben- oder Autoputzen oder auf dem Klo.

Benutzen Sie Merkhilfen wie Notizbücher oder Diktiergeräte. Oft schießen Ihnen eine Idee oder ein Satzfragment durch den Kopf, wenn Sie sich mit mechanischen Verrichtungen beschäftigen oder sich entspannen. Sprechen Sie sie auf Band oder schreiben Sie sie in Ihr Notizbuch – und vergessen Sie sie, bis Sie sich wieder an Ihr Manuskript setzen. Tippen Sie Ihre Notizen ab und führen Sie ohne Wertung und ohne Feinschliff (siehe oben) diese Gedanken und Einfälle aus.

Finden Sie die Magie des Schreibens, von der Dorothea BRANDE und Stephen KING sprechen, wieder. King nutzt dazu seinen eigenen »unterirdischen Ort mit hellem Licht und klaren Bildern« (Das Leben und das Schreiben, S. 117). Suchen Sie Ihren Ort. Stellen Sie sich einen Fluss vor, in dem Sie nach Worten und Gedanken fischen, erforschen Sie einen Dachboden mit geheimnisvollen Truhen. Beschreiben Sie diese Orte, das, was Sie dort finden und was Sie dabei fühlen – und schon fließen die Worte. Oder erinnern Sie sich an den magischen Moment, als das Schreiben gar nicht schnell genug ging. Wo saßen Sie? Prallte die Sonne vom Himmel oder prasselten Regentropfen gegen die Scheiben? Lassen Sie sich von der Magie dieser Stunde inspirieren.

Nehmen Sie die Krise als Zeichen dafür, dass Sie weitergekommen sind – dass Sie gewachsen sind. Wachsen ist immer schmerzhaft, bedeutet aber auch eine Chance. Nach einer Schreibkrise schrieb RILKE die zehn Duineser Elegien, Ingeborg BACHMANNS Malina erzählt auch die Geschichte einer Lebens- und Schreibkrise.

Dienstag, 20. November 2007

Die Angst vor dem weißen Blatt Papier. III

Schreibblockade

Und wir möchten nicht vom Verstummen eines Schriftstellers sprechen, weil er nicht mehr zu schreiben vermag. »Das letzte Programm ist die Erfindung des Schweigens«, sagt Heiner MÜLLER. Er schrieb in Mommsens Block über die Schreibblockade des Historikers, der aus diesem Grund den lange angekündigten vierten Band über das Rom der späten Kaiserzeit nicht vollendet haben soll. Müller deutete diesen Block als Ekel vor der Geschichte, vor den Cäsaren, die Mommsen zu jämmerlich erschienen. Aber nicht nur deshalb schrieb Müller über Mommsen, er wusste, wovon er sprach: Es war seine eigene Geschichte. Seine letzten Texte sind Protokolle über das Nicht-mehr-Schreiben-Können. Er schauderte vor einer Gegenwart, über die er hätte schreiben müssen, wartete doch jeder auf sein Drama über das wiedervereinigte Deutschland. Auch BRECHT gelang nicht, trotz mehrerer Versuche ein Gegenwartsstück zu schreiben. Günter DE BRUYN zog bewusst einen Schlussstrich. Volker BRAUN dagegen machte in seinem 1990 veröffentlichten Gedicht Eigentum seine Schreibkrise sichtbar: »/ und unverständlich wird mein ganzer Text /«, was ihm sehr half. – Nein, wir möchten von der Schreibblockade sprechen, die aus dem Unterbewusstsein entsteht. –

Bitte berichten Sie nun nicht auch noch von Ihrer Schreibblockade. Reinhard BAUMGART hat den Begriff »Wohmanisieren« geprägt. Er spielt damit auf Gabriele WOHMANNS »Blick durch das eigene Schlüsselloch auf den eigenen Nabel« an: »Schreibend beschnuppern sie nur sich selbst und ihr Milieu, erzählen von ihren eigenen Ärzten, Tanten, Krankheiten, Ängsten, Ehe- und Nebenlieben, Alkohol- und Fernsehgenüssen.« Das interessiert niemanden, und es ist kein Wunder, dass moderne deutsche Literatur im Ausland kaum noch übersetzt wird. –

Zuerst einmal sind da die Selbstzweifel, die oft sogar zu Depressionen führen. Sie fürchten, dass Sie nie wieder etwas Vernünftiges werden schreiben können, ja, noch nie etwas Vernünftiges geschrieben haben, dass Ihr Einfallsreichtum für alle Zeiten verschwunden ist. Trösten Sie sich: Auch solche Gefühle kennt jeder Schreibende. Sie gehen vorüber. Und Selbstzweifel sind immer noch angebrachter als Selbstüberschätzung, als von seinem Können, von jedem Wort in seinem Werk, so überzeugt zu sein, dass man keine Ratschläge annimmt, für Kritik taub ist und jedes ablehnende Schreiben von Verlagen als tiefe Kränkung empfindet.

Oder Sie wollen perfekt sein: Sie entwickeln ein Schreib-Über-Ich (Lutz VON WERDER) und denken bei jedem Wort an Kritiker und lektorieren gleichzeitig. Oder Sie wollen nicht fertig werden, sei es wegen der Leere, die Sie nach der Fertigstellung Ihres Werkes fürchten, sei es, weil Sie sich um Verleger bemühen müssen – weil Sie es hassen, Ihr Werk wildfremden Menschen anzupreisen wie Sauerbier –, und weil Sie wissen, dass Sie sich Tag für Tag vor dem Briefträger fürchten werden wegen der Ablehnungsschreiben: weil Sie Angst vor einem Misserfolg haben.

Oder Sie haben Angst vor dem Erfolg. Da Sie Schriftsteller sind, haben Sie viel, gar zuviel Phantasie: Sie malen sich vorher schon aus, was geschehen wird, wenn Ihr Werk in jeder Buchhandlung ausliegt. Wie werden Ihre Familie, Ihre Freunde, reagieren? Wie wird sich Ihr Leben – wie werden Sie sich verändern? Wie werden Sie sich der Öffentlichkeit präsentieren? Sie werden vor fremden Leuten sprechen und in Talkshows auftreten müssen: Sie werden im Mittelpunkt stehen. Werden interviewt, rezensiert – Ihr Leben wird öffentlich sein. Sollten Sie diese Publicity fürchten, so veröffentlichen Sie unter einem Pseudonym oder suchen Sie, wie FREY rät, falls es gar nicht anders geht, einen »Psychofritzen« auf. –

Ein Pseudonym bringt jedoch Probleme mit sich. Niemand weiß, dass Sie den Text geschrieben haben. Und: Sie bleiben immer anonym, ob Sie das auf die Dauer wollen oder nicht. Verwirrend ist, wenn Sie mehrere Pseudonyme benutzen. RINGELNATZ konnte sich das leisten, Ihnen als Autor, der erst noch berühmt werden möchte, müssen wir jedoch davon abraten. Pseudonyme sind nur hilfreich, wenn Sie etwas schreiben, mit dem Sie nicht in Verbindung gebracht werden wollen wie Groschenhefte, Pornos, Enthüllungsromane – oder Ihre Autobiografie, bei der Sie aus verschiedenen Gründen anonym bleiben möchten. –

Dienstag, 13. November 2007

Die Angst vor dem weißen Blatt Papier. II

Schreibhemmung

Ich möchte hier nicht von den Fällen sprechen, in denen Sie nicht weiterwissen, weil Ihnen das passende Wort nicht einfällt, Sie nicht wissen, wie Sie etwas formulieren sollen oder Sie ratlos stecken bleiben. Diese Probleme lassen sich leicht lösen. Im ersten Fall können Sie die Stelle markieren und später im Synonymlexikon nach dem richtigen Wort suchen (wahrscheinlich fällt es Ihnen beim Mohrrüben- oder Autoputzen ein oder auf dem stillen Örtchen) oder den Satz erst einmal niederschreiben und später daran meißeln. Sollten Sie nicht gleich die richtigen Wörter dafür finden, dass sich das Jubelpaar bei der Silberhochzeit angiftet, sie ihn mit Champagnergläsern bewirft und er ihr die Silberhochzeitstorte ins Gesicht klatscht, bis die Polizei kommt und das Paar auseinander reißt, dann fassen Sie das Ereignis zusammen und arbeiten die Einzelheiten später aus.

Der zweite Fall zeigt, dass mit den Figuren oder der Handlung etwas nicht stimmt. Recherchieren Sie noch gründlicher, wechseln Sie die Perspektive oder Zeit, überlegen Sie, ob der Protagonist überhaupt der Richtige oder ob die Handlung logisch ist. Sollten Sie nicht recht im Klaren sein, was Thema oder Ziel Ihrer Geschichte ist, dann schreiben Sie einen Klappentext. Dabei müssen Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und finden einen Blick dafür, worum es eigentlich geht. Suchen Sie an allen möglichen und unmöglichen Orten nach Inspirationen. Schildern Sie einem Freund, der beruflich etwas anderes macht als Sie, das Problem. Er sieht es aus einem ganz anderen Blickwinkel und findet eine Lösung, an die Sie gar nicht gedacht hatten, gar nicht denken konnten.

Überarbeiten Sie den Text, um in die Geschichte hineinzufinden (aber beißen Sie sich daran nicht fest und überarbeiten nur noch).

Die Schreibhemmung liegt oft daran, dass der Schriftsteller den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht – er hat den Blick für Inhalt und Struktur verloren. Dann ist es hilfreich, zurück zum Ursprung zu gehen und das Gerüst mit den W-Fragen (siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.com/2007/11/die-groen-w.html) noch einmal zu bauen. Habe ich eine wichtige W-Frage übersehen? Welche Geschehnisse sind wichtig? Wohin will ich welche Ereignisse packen? Sortieren Notwendiges und Schönes, packen Sie das Unnötige weg. Wenn Sie sich das Gerüst neu gebaut haben und wissen, wie Ihr Kunstwerk aussehen soll, können Sie an die Feinheiten gehen.

Wählen Sie ein anderes Genre: Aus dem Krimi wird ein historischer Roman, aus der Liebesgeschichte ein Märchen. Zu jedem Thema gibt es ein passendes. Aschenputtel wurde zu Pretty Woman, Hänsel und Gretel zu Nightmare on Elm Street und das tapfere Schneiderlein zu Indiana Jones.

Es kann aber auch schlicht und ergreifend sein, dass Sie keine Ahnung haben, wie die Geschichte weiter gehen soll, selbst wenn Sie sie bis in jede Einzelheit geplant haben und das Gerüst steht. Sie sehen ihn nicht mehr vor sich, nichts passt mehr zueinander, die Handlung hat Sie weit entfernt von dem, was Sie beabsichtigt hatten. Sie haben nichts mehr zu sagen, Sie empfinden nichts, zu gut Deutsch: Sie haben absolut keine Lust, gar einen Horror davor, noch ein einziges Wort zu diesem Thema zu schreiben. Nun könnten Sie nachlesen, was Leidensgenossen zu einem ähnlichen Thema geschrieben haben – ein häufiger Trick! –, und die bereits gedachten Gedanken übernehmen. – Auch HEMINGWAY ließ sich in solchen Situationen von zeitgenössischen Autoren anregen, »wie etwa Aldous Huxley oder D. H. Lawrence oder sonst einem, von dem Bücher erschienen waren, die ich in Sylvia Beachs Bücherstube bekommen konnte«. – Aber was Sie dann schreiben, lebt nicht, es ist nicht Ihre Stimme, die erzählt – nicht Ihr Stil.

Bevor Sie nun lange am Stift kauen, Ihr Gehirn zermartern und den Roman verfluchen, an dem Sie seit fünf Jahren Tag für Tag arbeiten, überlegen Sie: Was auf der Welt beschäftigt mich so, dass es mich in meine Träume verfolgt? Was berührt mich? Was interessiert mich wirklich? Lassen Sie sich von den Antworten beflügeln – und schon fliegen die Finger wie von selbst über die Tasten.

Sollten all die guten Ratschläge nicht helfen, so lassen Sie den Text liegen. Keto VON WABERER rät: »An Tagen, an denen ich mich niedergeschlagen, ängstlich und schwarzseherisch fühle, hat es keinen Sinn, an einem Text zu arbeiten, alles erscheint mir dann mißraten und ohne Leben. Manche Geschichten fallen auf diese Weise in Ungnade und liegen lange und ungeliebt herum, bis ich sie noch einmal aufnehme.«

Und wenn das Thema, das Sie gewählt haben, doch nicht Ihres ist? Tja, dann müssen Sie noch einmal von vorn beginnen.

Sonntag, 11. November 2007

Die großen »W«

Jeder Text berichtet etwas, ob er nun von Träumen oder von Tatsachen spricht. Doch ob Zeitungsartikel oder Roman, für jede schriftliche Form gilt die goldene Regel der Rhetorik, die CICERO in De inventione (Über die Auffindung des Stoffes) nennt: sechs Fragen, die man stellen muss, um die Umstände des menschlichen Handelns eindeutig beweisbar zu bestimmen:

Wer hat etwas getan (erlitten, erlebt)? Was hat er getan? Wie hat er es getan? Wo hat er es getan? Wann hat er es getan? Warum hat er es getan?

Damit ein belletristischer Text vollständig ist, muss er auch die folgende Fragen beantworten: Was ist geschehen? Mit wessen Hilfe hat er es getan? Wie entstehen die Verwicklungen? Wohin führen sie? Wie setzen sich die Figuren damit auseinander, wie reagieren sie? Wie werden sie sich entscheiden?

Samstag, 3. November 2007

Auflösung zu Sprachrätsel No. 8* (Doppelt gemoppelt)


* siehe juttas-schreibtipps.blogspot.com/2007/10/doppelt-gemoppelt-oder-wie-man-einen.html

Haben Sie die Redundanzen und die Füllwörter und Phrasen, die ich auch versteckt hatte, gefunden? Nun, hier sind sie (und zur Übersicht aufgelistet, damit Sie später nachschlagen können):

Die anderen Frauen um sie herum in ihrem Freundeskreis
aber dann noch einmal (Füllwörter)
auf einem anderen Blatt (Phrase)
bereits vor Monaten schon
die Zeiten endgültig vorüber waren
alle gemeinsam miteinander
sie beschloss bei sich selbst
nicht einmal zu Weihnachten (Füllwort)
war sie sich selbst zu schade
war sie von allen die Geduldigste gewesen
sich zurück erinnerte
ihr gingen mit einem Mal fast die Emotionen durch (Füllwörter)
die kleinen Härchen
Doch sie beschloss schließlich (Füllwort) innerlich
nicht weiter nachzudenken (Füllwort)
dann gewiss schon (Füllwörter)
zog sie die Luft in sich hoch,
verstreichenden Sekunde
Ohne jeden Zweifel
früheren Lockerheit endgültig nichts mehr übrig geblieben.
Sie nestelte in ihrer Tasche herum
zog den Schlüssel daraus hervor
öffnete die Tür vor ihr
Licht schien auf sie hinab
mitten ins Wohnzimmer
direkt zum Schrank ging
die einzelnen Türen
wohin sie neulich
Sie nahm ein Glas heraus
betrachtete darin
ihr eigenes Spiegelbild
schüttelte dabei den Kopf
interessiert sich länger für mich
ein kleines Schlückchen
schaute hinaus aus dem Fenster
Draußen wurde es sichtlich dunkler
Doch (Füllwort) plötzlich umspielte ein Lächeln ihre Lippen (Phrase)
Gegenüber auf der anderen Straßenseite
ging gerade Liane vorbei
winkte hinauf
In der darauffolgenden Woche nach dieser
einen neuen Anfang wagen.
Eigentlich (Füllwort)
sie musste sich … weiter unterhalten (Füllwort)
bestes Ausgehkleid
wäre dann doch (Füllwörter) zuviel des Guten (Phrase)

Unsinnig finde ich persönlich auch Wendungen wie Langsamen Schrittes schlenderte Ruth am Strand entlang. Schlendern bedeutet langsamen Schrittes gehen, ist also ein Pleonasmus. Helmut eilte rasch zur Tür oder Helmut hastete eilig zur Tür – kann man langsam eilen? Das Hemd war hell ausgebleicht – kann etwas dunkel ausbleichen? Man kann auch nicht laut wimmern oder leise schreien. Er nickte mit dem Kopf – womit soll er sonst nicken? Lisas Hand griff zum Schalter, ja, womit soll sie sonst greifen? Ihr kam kein Wort über die Lippen – worüber sollte das Wort denn kommen, wenn es doch käme? Was heißt, etwas mit eigenen Augen sehen? Kann man sich Augen borgen, können sie transplantiert werden?

Noch mehr doppelt Gemoppeltes? Bitte schön: nochmals wiederholen; der Plan wurde gänzlich zunichte gemacht; die Stimme hallte durchs ganze Haus; die gemachten Erfahrungen; die gestellte Aufgabe; Gerd wandte sich zu Christa um, die hinter ihm stand; auf dem Platz unten vor dem Fenster; die Tür weiter aufschieben; davon rennen, ohne eine weitere Sekunde zu verlieren; einen Stein aufheben, um damit zu werfen; von hinten ein Loch in den Rücken schießen; nicht zu wissen, wo man sich gerade befindet; sich beeilen, um rechtzeitig den Zug zu erreichen; erleichtert aufatmen. Streichen Sie auch die Wendung oder nicht wie in Er überlegte, ob er Claudia einen Ring schenken solle oder nicht; Monika war sich nicht sicher, ob Lisa eine Lügnerin ist oder nicht.

Und ich weiß jetzt nicht, ob ich Sie mit diesem Eintrag gelangweilt habe oder nicht.

Donnerstag, 1. November 2007

Auflösung zu Sprachrätsel No. 6

(siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.com/2006/12/sprachrtsel.html)

Kommt ein bisschen spät, aber wenigstens habe ich es gemerkt …

Die Antwort lautet: Das Märchen stammt aus Georg Büchners Woyzeck . Es ist ein Anti-Märchen als Undichtung des Märchens vom Sterntaler.