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Freitag, 29. Juni 2007

Neues fürs Phrasenschwein

beeindruckend schön; blendend aussehen; Blütenknospen, die sich der Sonne entgegen recken; das Herz schlägt bis zum Hals; die Mütter und Väter des Grundgesetzes; Die Reisebüros hatten Schlangen vor ihren Türen; ein herzensguter Mensch sein; frohes Kinderlachen; für die Gegend typisches Kunsthandwerk; gedankenvoll aus dem Fenster starren; Kunst kommt von Können; offene Türen einrennen; rettender Einfall; sich ein ruhiges Plätzchen suchen; sich verstohlen umschauen; Sein Gehirn arbeitete fieberhaft; Sonne tanken; vertrauenswürdige graumelierte Haare; verwegen aussehende Gestalten; Wort wie einen Peitschenhieb entgegenschleudern

Dienstag, 26. Juni 2007

Übers Briefeschreiben

Ein junger Mensch, der, wenn er Briefe schrieb,
Die Sachen kunstreich übertrieb
Und wenig gern mit stolzen Formeln sagte,
Las einem klugen Mann ein Trauerschreiben vor,
Darin er einen Freund beklagte,
Der seine Frau durch frühen Tod verlor,
Und ihm mit vielem Schulwitz sagte,
Daß nichts gewisser wär, als daß er ihn beklagte.
„Ihr Brief“, fiel ihm der Kenner ein,
„Scheint mir zu schwer und zu studiert zu sein.
Was haben Sie denn sagen wollen?“
„Daß mich der Fall des guten Freunds betrübt,
Daß er ein Weib verlor, die er mit Recht geliebt,
Und meinem Wunsche nach stets hätte haben sollen;
Daß ich, von Lieb und Mitleid voll,
Nicht weiß, wie ich ihn trösten soll.
Dies ungefähr, dies hab ich sagen wollen.“
„Mein Herr“, fiel ihm der Kenner wieder ein,
„Warum sind Sie sich denn durch Ihre Kunst zuwider?
O schreiben Sie doch nur, was Sie mir sagten, nieder:
So wird Ihr Brief natürlich sein.“

Christian Fürchtegott Gellert
in seiner Praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen

Montag, 25. Juni 2007

Über Ecos erste Sätze und Snoopys ersten Satz (Nicht) jeder Anfang ist schwer. IV

Nun habe ich doch glatt ECOS erste Sätze (denn warum nur einen ersten Satz schreiben, wenn man auch drei verschiedene Enden schreiben kann wie Fowles in der Geliebten des französischen Leutnants) zum Namen der Rose unterschlagen und vor allem Snoopys ersten Satz.

Zu erst einmal: Ecos Überlegungen anlässlich des Beginns vom Namen der Rose, ob einer, der erzählen will, heute noch sagen kann: »Es war ein klarer spätherbstlicher Morgen gegen Ende November«, ohne sich dabei wie Snoopy zu fühlen?) gehen folgendermaßen weiter:

„Was aber, wenn ich Snoopy das sagen ließe? Wenn also die Worte »Es war ein klarer spätherbstlicher Morgen ...« jemand sagte, der dazu berechtigt war, weil man zu seiner Zeit noch so anheben konnte? Eine Maske, das war’s, was ich brauchte. … So schrieb ich zunächst das Vorwort, indem ich meine Erzählung, verpackt in drei andere Erzählungen, in den vierten Grad der Verpuppung setzte: Ich sage, daß Vallet sagte, daß Mabillon sagte, daß Adson sagte.“

Und wie lauten nun die Anfänge der Rose?

„Am 16. August 1968 fiel mir ein Buch aus der Feder eines gewissen Abbé Vallet in die Hände …“
„Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“
„Es war ein klarer spätherbstlicher Morgen gegen Ende November.“

Und wie beginnt Snoopy, Mitglied der Peanuts, seinen Roman (den er am 12. Juli 1965 begann und dessen Folgen sein Herrchen, Charles M. SCHULZ, unter Snoopy wird Schriftsteller veröffentlichte, denn kein Verleger wollte einen Roman mit solch einem Beginn kaufen)?

„Es war eine finstere und stürmische Nacht. Plötzlich krachte ein Schuss. Eine Tür knarrte. Das Dienstmädchen schrie. Am Horizont erschien ein Piratenschiff! Millionen Menschen darbten, und der König schwelgte im Luxus. Währenddessen wuchs in einer Bauernkate bei Husum ein kleiner Junge auf.“

Mehr dazu siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.com/search/label/%C3%9Cbers%20Beginnen

Dienstag, 12. Juni 2007

(Nicht) jeder Anfang ist schwer. III

Damit ein belletristischer Text vollständig ist, muss er auch die folgende Fragen beantworten: Was ist geschehen? Mit wessen Hilfe hat er es getan? Wie entstehen die Verwicklungen? Wohin führen sie? Wie setzen sich die Figuren damit auseinander, wie reagieren sie? Wie werden sie sich entscheiden?

Als Beispiel für einen perfekten Beginn gelten die Anfangssätze des Zauberbergs:

„Ein einfacher junger Mensch reiste im Hochsommer von Hamburg, seiner Vaterstadt, nach Davos-Platz im Graubündischen. Er fuhr auf Besuch für drei Wochen.
Von Hamburg bis dort hinauf, das ist aber eine weite Reise; zu weit eigentlich im Verhältnis zu einem so kurzen Aufenthalt. Es geht durch mehrerer Herren Länder, bergauf und bergab, von der süddeutschen Hochebene hinunter zum Gestade des Schwäbischen Meeres und zu Schiff über seine springenden Wellen hin, dahin über Schlünde, die früher für unergründlich galten. Von da an verzettelt sich die Reise …“

Der Leser erfährt, wer warum wie wann wohin fuhr. Und mit den drei Wochen, die zu einem jahrelangen Aufenthalt werden – „eine weite Reise” –, in dem sein Inneres umgewandelt wird – „zu weit eigentlich” –, mit dem einfachen jungen Menschen, der durch Menschen aus „mehrerer Herren Länder” beeinflusst wird, den (seelischen) „Schlünden, die früher für unergründlich galten” und mit „von da an verzettelt sich die Reise” weist Thomas Mann auf die kommenden Ereignisse hin.

Lesen Sie, wie meisterhaft KLEIST im Anfang der Marquise von O den Angelhaken auswirft, die Hauptperson und den Ort einführt und das unerhörte Ereignis schildert:

In M …, einer bedeutenden Stadt im oberen Italien, ließ die verwitwete Marquise von O …, eine Dame von vortrefflichem Ruf und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern, durch die Zeitungen bekannt machen: daß sie, ohne ihr Wissen, in andre Umstände gekommen sei, daß der Vater zu dem Kinde, das sie gebären würde, sich melden solle; und daß sie, aus Familienrücksichten, entschlossen wäre, ihn zu heiraten.

Neugier weckt auch sein Anfangssatz im Erdbeben in Chili:

In St. Jago, der Hauptstadt des Königreichs Chili, stand gerade in dem Augenblicke der großen Erderschütterung vom Jahre 1647, bei welcher viele tausend Menschen ihren Untergang fanden, ein junger, auf ein Verbrechen angeklagter Spanier, namens Jeronimo Rugera, an einem Pfeiler des Gefängnisses, in welches man ihn eingesperrt hatte, und wollte sich erhenken.

Ina SEIDEL ködert uns im Wunschkind mit dem Ereignis, dem Ort, dem Datum und den Namen der Hauptfiguren, (doch wieso sind die Frauen namenlos? Möchte sie damit auf die Zeit weisen, in der ihr Roman spielt – als Frauen nur als Mütter wahrgenommen wurden?):

In einem alten Familienhause am Karmeliterplatz zu Mainz saß in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli des Jahres 1792 der preußische Premierleutnant der Infanterie Hans Adam Echter von Mespelsbrunn mit seiner Frau und seiner Mutter wachend am Bett seines schwerkranken Kindes.

HAMSUN lockt in die Mysterien mit mysteriösen Personen:

Um die Mitte des vorigen Sommers war eine kleine norwegische Küstenstadt der Schauplatz einiger höchst ungewöhnlicher Begebenheiten. Ein Fremder tauchte auf, ein gewisser Nagel, ein merkwürdiger und eigentümlicher Scharlatan, der eine Menge auffallender Dinge trieb und ebenso plötzlich wieder verschwand, wie er gekommen war. Dieser Mann erhielt sogar einmal Besuch von einer geheimnisvollen jungen Dame, die in Gott weiß welcher Angelegenheit kam und nicht wagte, sich länger als ein paar Stunden am Orte aufzuhalten.

Auch Alfred NEUMANN wirft den richtigen Köder aus. Das Ziel der Pistole wird ausgespäht und erfasst, aber erst auf Seite 170 löst sich der Schuss:

Das Haus des Revolutionsministers lag in so geringer Entfernung vom Parlament, daß der Hochverräter – wie er von Hubert Hoff und seinen Freunden genannt wurde – nur in ganz seltenen Fällen den Kraftwagen zu benutzen pflegte. Das wußte man. Man kannte auch die Stunde, in der er, begleitet von seinem verwachsenen und scheuen Sekretär, im Hauptportal des barocken Baus auftauchte, kurzbeinig und fest die Allee zum Parktor durcheilte, vor den beiden salutierenden Matrosenposten höflich und etwas lächerlich den Hut zog und immer den gleichen Zehnminutenweg wählte. Man hatte sich sehr große Mühe gegeben, jede Sekunde dieses wichtigen Stundensplitters auf ihre Eignung zu untersuchen. Man wußte jetzt Bescheid und kannte den gültigen Augenblick. Man kannte sogar – und es schauderte vor solchem Weitblick keinem – das Stück des Bürgersteigs, das unter die erwählte Spanne Zeit zu liegen kam (auf das der Blitz einschlagen wird, formulierte Hoff): fünfzehn gute Meter zwischen einem Gully und der Bordschwelle einer stillen Querstraße. (Der Held)

BÜCHNER nennt im Anfang von Lenz alles Wichtige und weist mit dem Satz „Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehen konnte” und „er hätte die Erde hinter den Ofen setzen mögen” auf dessen Wahnsinn hin:

Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg. Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen. Es war naßkalt; das Wasser rieselte die Felsen hinunter und sprang über den Weg. Die Äste der Tannen hingen schwer herab in die feuchte Luft. Am Himmel zogen graue Wolken, aber alles so dicht, und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump. Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nichts am Weg, bald auf-, bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehen konnte. … Es war ihm alles so klein, so nahe, so naß, er hätte die Erde hinter den Ofen setzen mögen …

Mehr dazu siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.com/search/label/%C3%9Cbers%20Beginnen

Samstag, 9. Juni 2007

Neues fürs Phrasenschwein*

Wer schreibt, der bleibt; Äpfel mit Birnen vergleichen; Deutschland hat seine Hausaufgaben gemacht; der mündige Bürger; weniger ist mehr (Verzeihung, Ludwig Mies van der Rohe, aber wie es so ist: Irgendwann wird auch der schlaueste und eindrucksvollste Spruch zum geflügelten Wort und später zur Phrase); sprudelnde Steuerquellen; fein säuberlich trennen (zusammenlegen, aufreihen, dokumentieren, aufschlüsseln usw.); Reisende soll man nicht aufhalten; die schlichte Notwendigkeit; hellwach sein; gut gelaunt sein; wir sind zutiefst betroffen (siehe http://juttas-schreibtippsblogspotcom/2006/07/modewrter_17html); eine ungeheure Trauer ging von ihm aus; das Licht am Ende des Tunnels; zittern wie Espenlaub; sie glaubte ihren Augen nicht; Das Blut gefror ihr in den Adern; die guten Vorsätze; Schnee von gestern; gesunder Menschenverstand

*siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Phrasenschwein

Mittwoch, 6. Juni 2007

Es war einmal … (Nicht) jeder Anfang ist schwer. II


Bedenke wohl die erste Zeile. (Dr. Faust)
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. (HESSE)

UNZÄHLIGE BUCHANFÄNGE HABEN WIR GELESEN, doch ein Anfang wird uns unvergesslich bleiben, lasen wir ihn doch zu einer Zeit, als die Welt noch voller Wunder war: „Lieber Leser, weißt Du, was das Wort Greenhorn bedeutet? – Eine höchst ärgerliche und despektierliche Bezeichnung für den, auf welchen sie angewendet wird.“

Und uns erschloss sich eine Welt, in der wir auf edlen Rappen über die weite Prärie donnerten, mit Schurken kämpften und am Marterpfahl zitterten. (Und wer hat nicht bei Winnetous Tod bitterlich geweint …) Und die Jungen waren Winnetou und die Mädchen Nscho-tschi, Winnetous Schwester.

Und noch früher verzauberten uns Geschichten, die mit „Es war einmal“ begannen, der magischen Formel für die aus der Zeit gefallene Zeit … Wenn die Großmutter mit diesen Worten zu erzählen anhub, liefen wir als bedauernswerte Kinder durch einen finsteren Wald, schliefen in einem gläsernen Sarg oder hundert Jahre lang hinter Dornen. Wir graulten uns vor grauslichen Menschenfressern, bösen Stiefmüttern und garstigen Hexen, wir wussten aber auch, dass uns ein wunderschöner Prinz im rechten Augenblick erretten würde. –

Welch Zauber kann Anfangssätzen innewohnen! Entführen auch Sie mit Ihren Anfängen Ihren Leser in eine andere Welt …

Mit „Es war“ fangen Märchen und poetische Texte an, denn diese Worte suggerieren, dass eine Macht außerhalb unseres Willens wirkt. Sie aber sollten mit diesen Worten nicht beginnen. Solche Anfänge sind so oft geschrieben worden, dass sie niemanden zum Weiterlesen verlocken, es sei denn, er will so eine richtig schöne Herz-Schmerz-Schnulze lesen. Kein Schriftsteller, der was auf sich hält, wird heutzutage noch mit „Es war an einem goldenen Oktobermorgen“ oder „Es war an einem Sommertag, an dem es selbst den Bienen zu heiß war zum Ausschwärmen“ beginnen.

Eco schreibt dazu: „Kann einer, der erzählen will, heute noch sagen: ‘Es war ein klarer spätherbstlicher Morgen gegen Ende November’, ohne sich dabei wie Snoopy zu fühlen?“ (Dabei hatte Snoopy den Satz auch nur bei BULWER-LYTTON geklaut, der immerhin so bekannte Werke schrieb wie Die letzten Tage von Pompeij. Doch der bedauernswerte Autor wurde vor allem durch den Eingangssatz seines Romans Paul Cliffor berühmt: "Es war eine dunkle und stürmische Nacht; der Regen fiel in Strömen – außer bei gelegentlichen Pausen, wenn er von einem gewaltsamen Windstoß in Schach gehalten wurde, der durch die Straßen fegte (denn unsere Geschichte spielt in London), an den Giebeln der Häuser rüttelte und wütend die dürftige Flamme der Lampen bewegte, die gegen die Dunkelheit ankämpfte." Mittlerweile gibt es sogar ein Wettbewerb, den Bulwer-Lytton fiction contest, bei dem der schauderhafteste Anfangssatz eines imaginären Romans prämiert wird.)

Auch MUSIL weiß, dass man so nicht beginnen darf, wie wir dem Anfang vom Mann ohne Eigenschaften entnehmen: „Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913.“

Und doch haben viele bekannte Schriftsteller mit „Es war” begonnen. Halten wir ihnen zugute, dass sie so in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts schrieben – altmodisch eben.

„Es war spätabends, als K. ankam." (KAFKA, Das Schloß)
„Es war ein strahlend kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn.” (ORWELL, 1984)
„Es war eine schwüle Sommernacht des Jahres 526 nach Christus.” (DAHN, Ein Kampf um Rom)
„Es war ein verrückter, schwüler Sommer, der Sommer, als die Rosenbergs auf den Elektrischen Stuhl kamen, und ich wußte nicht, was ich in New York sollte.” (Sylvia PLATH, Die Glasglocke)
„Es war jetzt Essenszeit, und sie saßen unter dem doppelten grünen Sonnendach des Speisezelts, als wäre nichts passiert.” (HEMINGWAY, Das kurze Glück im Leben des Francis Macombe)

Wie FORSYTH werden Sie ebensowenig beginnen, selbst wenn der Anfang überrascht und neugierig macht: „Es ist kalt um 6 Uhr 40 in der Frühe eines Pariser Märztages, und es scheint noch kälter zu sein, wenn zu dieser Zeit ein Mann von einem Exekutionskommando füsiliert werden soll.“ (Der Schakal)

Mehr dazu siehe http://juttas-schreibtipps.blogspot.com/search/label/%C3%9Cbers%20Beginnen

Dienstag, 5. Juni 2007

15 Tipps für gute Texte


Finden Sie einen Anfang, der Ihren Text aus der Masse des Geschriebenen heraushebt. Er soll Ihren Leser in den Text hineinziehen, in die Seiten dahinter und ihn fesseln bis zum Schluss. Setzen Sie sich aber nicht unter Druck, weil Sie unbedingt mit dem druckreifen ersten Satz beginnen wollen. Oft wird Ihnen beim Schreiben selbst erst klar, wie er lauten muss.

Enden Sie so, dass der Leser neugierig auf Ihren nächsten Text ist.

Ein Autor schreibt nicht einfach das, was er denkt; sondern wählt sorgfältig jedes Wort – er benebelt seinen Leser nicht durch eine hochgestochene, schwülstige Wortwahl – und überlegt sich jeden Satz: Er gestaltet seinen Text.

Jeder Satz muss seine Bedeutung für den Text haben und zum Weiterlesen anregen. Der Autor darf nicht schwätzen und dadurch langweilen. Schreiben Sie Sätze mit zehn bis zwanzig Wörtern, wechseln Sie zwischen kurzen und längeren Sätzen. Auch Absätze und Kapitel sollten unterschiedlich lang sein.

Finden Sie Ihren eigenen Stil. Er darf aber nicht zum Selbstzweck verkommen, indem Sie sich nicht trauen, einen schlichten Satz zu schreiben, der nur das sagt, was er sagen soll.

Vermeiden Sie Stilsünden wie Euphemismen, Schachtelsätze und Klischees. Verwenden Sie schlichte und klare Wörter, Rhythmus, Klang.

Metaphern erhöhen die Ausstrahlung eines Textes und machen ihn lebendig. Damit können Sie abstrakte Dinge, aber auch Gefühle, besser veranschaulichen. An den Haaren herbeigezogene oder aus anderen Texten entlehnte Metaphern sprechen allerdings für einen schlechten Text und einen nachlässigen Schreiber. Verzichten Sie auf Metaphern, wenn Ihnen nur Klischees einfallen.

Achten Sie auf jedes Wort, das Sie schreiben, hören Sie sich selbst zu. Vermeiden Sie die beziehungslosen, toten, schablonenhaften, trivialen Wörter; verwenden Sie die dichten, kraftvollen, plastischen, unwiderstehlichen. Streichen Sie Füllwörter und Phrasen. Ihre Sätze werden klarer und Ihr Text wirkt stärker. Schreiben Sie keine unverbindlichen Wörter, sondern konkret: So wecken Sie am ehesten die Aufmerksamkeit Ihres Lesers. Wählen Sie aber im Zweifelsfall das weniger bedeutende Wort.

Adjektive sind das Salz in der Suppe, aber zu viele, vor allem schmückende, allgemeine und formelhafte, machen sie ungenießbar.

Steigerungen, Übertreibungen und Übersteigerungen richten sich an das Unterbewusstsein und sind oft Klischees.

Überlegen Sie bei jedem Substantiv, ob ein Verb besser klingt. Verben (Tat-Wörter) bewegen, Substantive liegen wie Steine im Bauch. Suchen Sie das besondere, das unverbrauchte Verb. Ersetzen Sie Hilfsverben durch ausdrucksstarke Verben und meiden Sie den Infinitiv. Schreiben Sie im Aktiv statt im Passiv.

Gebrauchen Sie so wenige Fremdwörter wie möglich. Wenn ein Text durch Fremdwörter nicht bereichert wird, gibt es keinen vernünftigen Grund, sie zu benutzen.

Die besten rhetorischen Mittel nützen nichts, wenn der Autor nichts zu sagen hat. Sie wirken als Schaumschlägerei, gar peinlich, wenn sie nur um eines Effekts wegen benutzt werden – Rhetorik ohne Inhalt blendet nur. Hat der Autor aber etwas zu sagen, wird der Text durch rhetorische Vielfalt farbiger, lebendiger und damit überzeugender.

Die Kunst des Schreibens besteht darin, nur das zu sagen, was für das Thema wesentlich ist. Beschränken Sie sich auf das Notwendige, vergeuden Sie nicht Worte (und kostbare Lebenszeit – Ihre eigene und die Ihres Lesers). Aber Vorsicht: Sie gefährden die Klarheit Ihres Textes, wenn Sie zu sehr verknappen.

Ein Text kann unklar sein, weil der Autor sich nicht klar ausdrücken konnte oder das Thema sich nicht klar darstellen ließ.

Und zum Schluss: Vergleichen Sie das, was Sie geschrieben haben, mit dem, was Sie schreiben wollten.