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Mittwoch, 30. August 2006

Sprachrätsel No. 3

Der Stil wandelt sich nicht nur im Laufe eines Schriftstellerlebens, sondern auch im Laufe von Jahrhunderten, manchmal sogar von Jahrzehnten. Die Dichtung des Walter von der Vogelweide wirkt auf uns Heutige fremd, und auch so wie die Romantiker würden wir nicht mehr schreiben. Manchmal ist jedoch am Stil nicht zu erkennen, zu welcher Zeit etwas geschrieben wurde. Welcher der beiden Texte ist der ältere, wie heißen die jeweiligen Autoren, und welchen Werken sind die Ausschnitte entnommen?
Er hatte nichts. Was er tat, tat er nicht mit Bewusstsein, und doch zwang ihn ein innerlicher Instinkt. Wenn er allein war, war es ihm so entsetzlich einsam, dass er beständig laut mit sich redete, rief, und dann erschrak er wieder, und es war ihm, als hätte eine fremde Stimme mit ihm gesprochen. Im Gespräch stockte er oft, eine unbeschreibliche Angst befiel ihn, er hatte das Ende seines Satzes verloren ..
So sah er ihn denn wieder, den erstaunlichsten Landungsplatz, jene blendende Komposition phantastischen Bauwerks, welche die Republik den ehrfürchtigen Blicken nahender Seefahrer entgegenstellte, die leichte Herrlichkeit des Palastes und die Seufzerbrücke, die Säulen mit Löw’ und Heiligen am Ufer, die prunkend vortretende Flanke des Märchentempels, den Durchblick auf Torweg und Riesenuhr, und aufschauend bedachte er, dass zu Lande, auf dem Bahnhof in Venedig anlangen einen Palast durch eine Hintertür betreten heiße, und dass man nicht anders, als wie nun er, als zu Schiff, als über das hohe Meer die unwahrscheinlichste der Städte erreichen sollte.

Donnerstag, 24. August 2006

Literaturwettbewerbe and more

“Es gibt Bereiche hinter den Medienkulissen, in die haben Leser und Fernsehzuschauer nur selten Einblick. Zu diesen dunklen Nischen gehört das System von Journalistenpreisen, die Unternehmen und Verbände verteilen. Es dient ihrem Image, ihren guten Beziehungen zur Presse; Tausende von Industrie-gesponserten Ehrungen warten jährlich auf Preisträger. Aber geht es immer um journalistische Qualität?” Weiter auf http://tinyurl.com/kz87u

Unter anderem können Sie dort lesen, dass die siebenfache Preisträgerin Martina Keller, unter anderem Zeit-Autorin, “sich so hartnäckig um Preise kümmert …, (dass es) nur eine Frage der Zeit, wann man einen gewinnt.” Man müsse “schamlos” sein - und auch mal “ein eher mittelmäßiges Stück” einreichen. Denn oft liege es nur am Thema, an der schwachen Konkurrenz oder der Unbekanntheit eines Preises, dass man Chancen habe. Systematisch durchstöbert die Freiberuflerin Fachzeitschriften und Internetportale.

Also – nehmen auch Sie an jedem Wettbewerb teil, von dem Sie erfahren. Nicht bei jeder Ausschreibung werden über tausend Texte eingereicht (wie beim Heimat-Wettbewerb von BoD). Gerade bei Kurzgeschichten sind es manchmal noch nicht einmal hundert Texte. Aber bezahlen Sie keine Gebühren, um überhaupt an dem Wettbewerb teilnehmen zu können, auch wenn der Preis lockt. Investieren Sie das Geld besser in ein Los bei der Aktion Sorgenkind. Damit tun Sie etwas Gutes und können auch noch was gewinnen.

Mittwoch, 23. August 2006

Flauberts »Wörterbuch der Gemeinplätze«


Gustave Flaubert sammelte seit seiner Kindheit Sottisen, Platitüden und einfach so Dahergesagtes, Worthülsen und Dummheiten. Im Laufe der Jahre hat er über tausend zusammengetragen. Er wollte sie in seinen unvollendeten Roman Bouvard und Pécuchet aufnehmen, in dem die beiden Helden, halbgebildete Biedermänner, sich das gesamte Wissen der Welt aneignen wollen, indem sie es kopieren. Das Buch war als Zerrspiegel seiner Zeit geplant, in der sich Plattheit mit Weisheit unreflektiert mischten. Seine (auch unvollendete) Sammlung »all dessen, was allgemein für richtig gilt« wurde als Wörterbuch der Gemeinplätze (Dictionnaire des idées reçues), Neuauflage Zürich: Haffmann 1998, veröffentlicht*.

Und was gehört zu seinen Fundstücken?

»Negerin. Heißblütiger als Weiße (vgl. Blondinen und Brünette).« »Blondinen. Heißblütiger als Brünette.« »Brünette. Heißblütiger als Blondinen.« »Deutsche. Volk von Träumern (veraltet).« »Engländer. Alle reich.« »Engländerinnen. Sich darüber wundern, daß sie so hübsche Kinder haben. – Die alten Engländerinnen sind immer häßlich.« »Diderot: Niemals ohne d’Alembert.« »Denken: Mühsam. Die Dinge, die einen dazu zwingen, gibt man im allgemeinen auf.« »Enzyklopädie: Dagegen wettern. Mitleidig darüber lächeln, als ob es sich um einen alten Zopf handle.« „Roßkastanie: Cousine des Pferdeapfels.“ „Darwin? stammt vom Affen ab.“ „Engel: Macht sich gut in der Liebe und in der Literatur.“ Ist von einem Jäger die Rede, rät er zu dem Zusatz: „ein großer … vor dem Herrn“, und für Shakespeare bringt er den „Schwan vom Avon“ ins Spiel. Er hielt nichts von einer Welt, in der Menschen allen Ernstes „vielen Dank für Speis und Trank“ sagen.

Weitere Klischees aus Flauberts Sammlung finden Sie hier:

http://www.zeit.de/1985/35/Woerterbuch-der-Gemeinplaetze-I, http://www.zeit.de/1985/36/Woerterbuch-der-Gemeinplaetze-II, http://pdf.zeit.de/1985/37/Woerterbuch-der-Gemeinplaetze-III.pdf, http://www.zeit.de/1985/38/Woerterbuch-der-Gemeinplaetze-IV, http://www.zeit.de/1985/39/Woerterbuch-der-Gemeinplaetze-V, http://www.zeit.de/1985/40/Woerterbuch-der-Gemeinplaetze-VI, http://www.zeit.de/1985/42/Woerterbuch-der-Gemeinplaetze-VIII

*Hans H. Henschen hat das Buch neu übersetzt. Es heißt nun »Wörterbuch der gemeinen Phrasen«, Eichborn. 2005. (Eine interessante Überschrift; was meint er wohl damit: dass die Phrasen gemein sind, oder ist es ein Pleonamus?)

Und welche Klischess und Worthülsen verdammen Sie (und rutschen Ihnen doch gern aus der Feder)? Ich freue nich über Ihre Liste und veröffentliche sie hier gern!

Dienstag, 15. August 2006

Titelschutz

Buchtitel sind markenrechtlich geschützt, wenn sie neu sind und eine eigene Kennzeichnungskraft besitzen. Rechtsgrundlage ist das Markengesetz (§§ 5, 15 MarkenG). Titelschutz entsteht automatisch mit der Ingebrauchnahme eines Titels als "besonderer", d.h. hinreichend unterscheidungskräftiger namensmäßiger Bezeichnung eines Werkes oder durch die Schaltung einer sog. Titelschutzanzeige, letzteres insbesondere im "Börsenblatt" - dem Wochenmagazin für den deutschen Buchhandel. Ein Behörde oder eine sonstige Einrichtung, die für die Anmeldung von Titelschutz zuständig wäre, existiert nicht. "Wer zu erst kommt, mahlt zuerst“: Dieses Prinzip kommt auch im Bereich des Titelschutzes zum Tragen. Das stärkere - weil prioritätsältere - Recht steht also immer demjenigen zu, der einen Titel zuerst benutzt. Um Titelschutzverletzungen zu vermeiden, sollten Verlage vor Verwendung einer kennzeichnungsfähigen Bezeichnung sorgfältig prüfen, ob der in Aussicht genommene Titel nicht bereits belegt ist. Hier bietet sich zunächst eine Überprüfung an Hand des "Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB)" an. Weitergehende Recherchen - wie z.B. über Internet-Suchmaschinen - sind zu empfehlen.

(Quelle: http://www.boersenverein.de/de/64554)

Weitere Recherchemöglichkeiten sind amazon.de und andere online-Buchhandlungen recherchieren. Sie können aber auch (kostenpflichtig) suchen lassen. http.//smdnet.de sucht zusätzlich nach Titeln in anderen Medien. Bei manchen Anbietern wie http://titelschutzanzeiger.de können Sie den Titel schon vor der Veröffentlichung anmelden.

Freitag, 11. August 2006

Über das Zurückerhalten von Manuskripten II

Diese Angaben habe ich mir nicht ausgedacht, sondern habe ich von einer Verlegerin erhalten.

Sie moniert, dass Manuskript wahllos an Verlage verschickt werden oder der Verlag sehen kann, an wen das Manuskript noch gesendet wurde, weil die Autoren sich „nicht die Mühe gemacht haben, ein neues Anschreiben beizulegen“. Sie moniert auch, dass sich viele Autoren nicht danach richten, was der Verleger an Leseproben erwartet. Wenn er die ersten 20 Seiten, sowie – je nach Buchumfang – 25 bis 30 Seiten aus der Mitte verlangt hat, wird das vollständige Manuskript geschickt und im Anschreiben geschrieben, dass sich der Verleger „sonst kein Bild machen könne“, außerdem “könne er das ja noch überarbeiten”. Oder er wird gebeten, dass er doch die Feler übersehen solle, denn Rechtschreibung sei noch nie des Autors „Ding gewesen“. Manche Autoren legen kein Rückporto bei. Der Verleger könne ja „per E-Mail antworten, begutachten, Vorschläge machen, das würde ja nichts kosten.“

„Viele neue Autoren“, so die Verlegerin, vergessen, dass es nicht damit getan ist, dass man früher mal ordentliche Aufsätze geschrieben hat. Eine Kurzgeschichte, eine Erzählung oder gar einen Roman zu schreiben ist Schwerstarbeit, das kann man nicht mal eben so nebenbei machen. Und die Autoren vergessen, dass Lektoren bereits nach den ersten Seiten erkennen, ob sie eine schludrige Arbeit vor sich haben, oder ob das Gerüst stimmt, und der Autor nur ein paar Anstöße braucht. Die Autoren denken auch nicht darüber nach, dass selbst namhafte Schriftsteller niemals! eine Erstfassung abliefern und dass sie manchmal monatelang zusammen mit dem Lektor das Buch bearbeiten.

“Meine Mutter/Schwester/Frau/Freund war begeistert und sagten, sie hätten noch nie so ein gutes Buch gelesen”, steht in fast jedem Anschreiben, schreibt die Verlegerin weiter. „Was soll man da noch sagen, oft fehlen mir die Worte. Vor allem, wenn ich mit den Angaben, was mir zugeschickt werden soll, auch das Merkblatt beilege.“

Mittwoch, 9. August 2006

Über das Zurückerhalten von Manuskripten

Überlegen Sie, wenn Sie Ihr Manuskript zurückerhalten, weshalb es nicht gut genug für eine Veröffentlichung ist. Sind der Stil oder die Wortwahl schlecht, stimmen die Charaktere nicht oder misslang Ihnen die Ausführung Ihres Themas? Versinken Sie nicht in tiefen Depressionen, wenn Sie merken, dass der Text auch nach vielen Änderungen nicht veröffentlichungsreif wird. Denken Sie daran, dass Sie aus jedem Misserfolg lernen.

Ein Tipp: Werfen Sie Ihren Text nicht wütend in den Papierkorb. Vielleicht können Sie Auszüge daraus in einem anderen Werk verwenden.

Dienstag, 8. August 2006

Der Feind des Guten ist das Beste

Jeder Mensch sucht nach Erfolgserlebnissen; die Fähigkeit zum Erfolg ist ihm angeboren. So auch Sie. Doch bevor Sie resignieren, weil Sie Ihre Manuskripte immer wieder zurückerhalten, überlegen Sie, woran das liegen mag. Vielleicht an dem schönen Satz: Der Feind des Guten ist das Beste? Schreiben Sie, so gut Sie vermögen, und seien Sie bereit, Ihr Schreiben fortzuentwickeln, doch lassen Sie sich nicht von unerreichbaren Idealen verunsichern – streben Sie nicht den Nobelpreis an. Abgesehen davon, dass bei dessen Verleihung nicht nur die überragende Leistung, sondern auch gesellschaftliche und politische Faktoren eine Rolle spielen, werden Sie bei diesem Anspruch an sich selbst so hölzern oder manieriert schreiben, dass es kein Wunder ist, wenn Sie Ihre Manuskripte zurückerhalten. Texte werden oft gerade dann schwächer, wenn der Autor mit allen möglichen Tricks, wie kafkaeske Anspielungen oder eine bemüht poetische Sprache mit sinnlosen Metaphern, Literatur schaffen will. Seien Sie zufrieden, wenn Sie ein Werk geschaffen haben, dem Sie nichts hinzufügen und in dem Sie nichts streichen können: das perfekt ist. Ich wünschen Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie eines Tages (vielleicht auch durch das Studium dieses Blogs) so schreiben, »dass selbst den Engeln der Verstand stille steht« (LICHTENBERG).

Sonntag, 6. August 2006

Aus Schriftstellers Schreibstube

Viel wird darüber geschrieben, dass so einige unserer berühmten KollegInnen auch schon für den Druck ihrer Gedichte bezahlen mussten. Welche Vorteile das haben kann, schreibt ECKERMANN in "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens":

"Ich ließ von dem Gedicht* einige hundert Exemplare auf eigene Kosten drucken und in der Stadt verteilen. Die Wirkung, die es tat, war günstig über meine Erwartung. Es verschaffte mir den Zudrang einer Menge sehr erfreulicher Bekanntschaften, man teilte meine ausgesprochenen Empfindungen und Ansichten, man ermunterte mich zu ähnlichen Versuchen und war überhaupt der Meinung, dass ich die Probe eines Talentes an den Tag gelegt habe, welches der Mühe wert sei weiter zu kultivieren. Man teilte das Gedicht in Zeitschriften mit, es ward an verschiedenen Orten nachgedruckt und einzeln verkauft, und überdies erlebte ich daran die Freude, es von einem sehr beliebten Komponisten in Musik gesetzt zu sehen, so wenig es sich auch im Grunde, wegen seiner Länge und ganz rhetorischen Art, zum Gesang eignete."

*Leider konnte ich nicht herausfinden, um welches Gedicht es sich handelt. Sollten Sie es wissen, würde ich mich über ein Mail sehr freuen.

Samstag, 5. August 2006

Schutz gegen Ideenklau

Wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihre Ideen oder Texte geschützt sind, dann schicken Sie sich Ihre Ideen oder Manuskripte selbst nach Hause oder noch besser einem möglichst befreundeten (wegen der Kosten) Anwalt als Einschreiben mit der Maßgabe, den Umschlag nicht zu öffnen. Wenn jemand Ihre Urheberschaft anzweifelt, können Sie ihm die ungeöffnete Sendung zeigen.