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Dienstag, 22. November 2011

Doris Lessing über feste Schreibzeiten

Nein, es gab nie eine feste Routine. Seltsam, kein Maler, kein Architekt wird das je gefragt – nur wir Schriftsteller. Es ist, wie Virginia Woolf sagte: Eine Schriftstellerin braucht ein Notizbuch und einen Stift, aber das hört sich zu einfach an, und deshalb meinen viele, es gäbe einen Trick, und sie möchten den Trick verstehen … Jeder hat seine Gewohnheiten. Ich denke ja pausenlos über das nach, was ich gerade schreibe.

Ich habe übrigens nie eine Schriftstellerin kennen gelernt, die solche Schreibroutinen einhalten konnte, es sei denn, sie hatte eine Mutter, eine Sekretärin, einen sorgenden Ehemann. Frauen müssen sich um das Dach kümmern und darum, dass der Kühlschrank gefüllt ist, sie versorgen die Katze und gehen zur Tür, wenn die Post kommt. Ich habe nie eine Frau kennen gelernt - außer sie hat einen Bürojob –, die ein eigenes Haus führt und regelmässige Arbeitszeiten hätte.

Doris Lessing in einem Interview mit der NZZ Online am 28. 4. 2004 http://www.nzz.ch/2004/02/28/li/article9FJRT.html

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