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Dienstag, 10. Mai 2011

Schiller malt Rössel

Es gibt eine hübsche Anekdote über Friedrich Schiller, überliefert vom Hofschauspieler Friedrich Müller, Vater der Schauspielerin Caroline Beck, die Vorbild der Louise Millerin samt ihren Vergissmeinnichtsaugen (Schiller) in Kabale und Liebe und die Louise in der Aufführung war:

Schiller, der sich zu Beginn seiner Laufbahn als Schriftsteller in Mannheim aufhielt,  brachte manchen frohen Abend mit den Schauspielern der Mannheimer Bühne, unter anderem mit August Wilhelm Iffland und Heinrich Beck, dem Ehemann von Caroline Beck, im Hause von Müller zu. Wenn die anderen sich zur Ruhe begaben, forderte er Wein, Kaffee, Tinte und Papier und schrieb die ganze Nacht Szenen zu Kabale und Liebe. Der Gastgeber fand ihn dann am nächsten Morgen auf einem Lehnsessel in einer Art von Starrkrampf, so dass er ihn einmal wirklich für tot hielt.

Als Caroline Beck nun Schiller eines Tages fragte, ob ihm nicht die Gedanken ausgingen, wenn er so die ganze Nacht dichte, antworte der in dem breiten schwäbischen Dialekt, den er damals noch sprach:  »Das ischt nit anders, aber schaun’s, wenn die Gedanken ausgehn, da mal ich Rössel.« In seinen Manuskripten gibt es wirklich ganze Seiten, auf denen er nichts als kleine Pferde und Männchen gekritzelt hatte. Wenn Madame Beck später irgend eine Stelle in Schillers Dichtungen nicht gefiel,  fragte  sie ihn scherzend: „Da haben Sie wohl Rössel gemalt?“

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