Seiten

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Sprachrätsel No. 11

Als Reminiszenz an das Sportjahr 2008 mit Fußballeuropameisterschaft und Olympia (die Tour de France vergesse ich lieber) stelle ich dieses Mal eine Frage, die nicht nur durch den Titel mit dem Sport verbunden ist. Sie lautet: Das folgende Gedicht, von dem ich wegen des Urheberrechts nur die erste und letzte Strophe abdrucke, erhielt 1912 eine hohe Auszeichnung. Woraus bestand sie und wer hat das Gedicht geschrieben?

Ode an den Sport

O Sport, du Göttergabe, du Lebenselixier!
Der fröhlichen Lichtstrahl wirft in die arbeitsschwere Zeit,
Der du ein Bote bist der längst vergangenen Tage.
Wo die Menschheit lächelte in Jugendlust,
Wo der aufsteigende Sonnengott die Gipfel der Berge rötete
Und scheidend den Hochwald in leuchtende Farben tauchte.

O Sport, du bist der Friede!
Du schlingst ein Band um Völker,
Die sich als Brüder fühlen in gemeinsamer Pflege
Der Kraft, der Ordnung und der Selbstbeherrschung.
Durch dich lernt Jugend selbst sich achten,
Und auch Charaktereigenschaften anderer Völker
Schätzen und bewerten.
Sich gegenseitig messen, übertreffen, das ist das Ziel,
Ein Wettstreit in dem Frieden.

Auflösung von Sprachrätsel No. 10

Der Autor ist der Mönch und Priester Otfrid von Weißenburg, der etwa von 790 bis 875 lebte. Er ist nicht nur der erste uns namentlich bekannte deutsche Dichter – bis dahin wurde Dichtung nur mündlich vorgetragen und weitergegeben –, sondern er ersetzte in seinem Evangelienbuch als erster deutscher Dichter den bis dahin in der germanischen Dichtung verwendeten »heidischen« Stabreimvers (Alliteration) durch den »christlichen« (christlich, weil er in lateinischen kirchlichen Hymnen verwendet wurde) Endreimvers. Reste davon finden wir heute noch in Redensarten wie Kind und Kegel, Haus und Hof, über Stock und Stein.

Und so geschah es, dass die ersten Menschen neben den Reimen Mut/gut, Jahr/wahr, Brust/Lust den Reim Herz/Schmerz hörten, der heute so verpönt, weil Kitsch, ist. Aber damals müssen die Menschen große Augen gemacht haben, als sie diese Verse vernahmen: »Sie eigun mir ginomanan liabon druhtin minan,/thaz min líaba herza,/bi thiu rúarit mih thiu smérza« – Sie haben es mir genommen dies mein liebes Herz,/darum rühret mich der Schmerz.

Arno Holz folgerte ein paar Jahrhunderte später und nachdem tausend und abertausend Dichter begeistert diesen Reim für ihre Liebeskummergedichte benutzt hatten, dass nichts mehr gehe: »Der Erste, der – vor Jahrhunderten! – auf Sonne Wonne reimte, auf Herz Schmerz und auf Brust Lust, war ein Genie; der Tausendste, vorausgesetzt, daß die Folge ihn nicht bereits genierte, ein Kretin.« – Aber »Falsch, ganz falsch«, antwortete Robert Gernhardt: »Der Erste, der Herz auf Schmerz reimte, war ein braver Mann; der Einmillionste aber, dem es gelingt, die beiden Begriffe einleuchtend, einschmeichelnd oder auch nur eingängig zu paaren, ist ein Genie, zumindest aber ein hochachtbarer Artist.«

Und es gab eine weitere Neuerung: Otfrid wollte die Eignung der deutschen (fränkischen)* Sprache für die Dichtkunst beweisen – dass für sie nicht nur die Sprachen der »edilzungun« – die heiligen Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein – als Sprachen der Kreuzinschriften gelten sollten. Er wusste, dass das neu war, denn diese Sprache sei zwar »noch nicht so gesungen worden« (nist si so gisungan) und in Regeln gefasst, sie besitze aber ihre »Geradheit in schöner Schlichtheit«.

In seiner in Latein verfassten Widmung an den Mainzer Erzbischof Liutbert finden wir auch die älteste uns bekannte Klage über die Schwierigkeiten des Schreibens in Deutsch, der »barbaries linguae«, denn sie sei »inculta, indisciplinabilis«, ohne Grammatikregeln.

*Erst seit dem 12. Jahrhundert gibt es das wahrscheinlich aus dem Lateinischen regermanisierte Wort diutsch/tiutsch (von theodiscus, das wiederum vermutlich von westgermanisch eudiskaz, abgeleitet von eoda, ahd. theot/thiot = Menschen, Volk = dem Volk zu- bzw. angehörig) stammt; mhd. diutsch > nhd. deutsch.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Merkblatt für Autoren (vom VIRPRIV VERLAG)

Autoren-Merkblatt – für Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane

(Leider glauben zu viele neue Autoren, daß diese Formalien zweitrangig sind – sie sind es nicht.)

Kurzgeschichten – so kurz wie möglich, so lang wie nötig.

Das Manuskript einer Kurzgeschichte muß immer – wie auch eine Romanvorlage – als Manuskriptseiten, einseitig ausgedruckt verschickt werden, selbstverständlich niemals Handgeschriebenes: 30 Zeilen pro Seite / ca. 60 Zeichen (mit Leerzeichen!) pro Zeile bei 1,5 Zeilen-abstand, Schrift (z. B.) Times New Roman 12. Eine Kurzgeschichte ist eine Geschichte, an der man sehr lange arbeiten muß, um sie so kurz und so gut wie möglich zu machen.
Jedes Wort zuviel ist zuviel – also werden alle Füllwörter und Füllsätze gestrichen.

In der Kurzgeschichte, aber auch in Romanen, wird der Stil durch das Weglassen von Unwesentlichem geprägt. Die fünf großen „W“ sind nicht nur für Journalisten gültig: wer, was, wann, wo, warum. Die Substanz der Geschichte (der Konflikt) muß in einem Satz ausgedrückt werden können, die Geschichte ist nur dann gut, wenn sich die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen läßt. Schon der Anfang einer Erzählung muß fesseln, die Spannung sollte möglichst mit dem ersten Satz beginnen, also: ein Ereignis ankündigen, eine Erwartung schaffen, den Leser zum Weiterlesen verführen. Keine lange Gedankenmonologe.

Überflüssiges streichen. Was weder die Handlung vorwärts treibt noch die Geschichte würzt, ist überflüssig, es wird gestrichen – und zwar gnadenlos – und das nicht nur bei Kurzgeschichten, auch bei Erzählungen und Romanen, wo der Autor zu häufig ins Schwafeln gerät. Immer so straff und dicht wie nur möglich schreiben, jedoch mehr, als eigentlich gebraucht wird. Das heißt, wenn sechs Seiten (und das sind immer Manuskriptseiten!) verlangt werden, wenigstens sieben Seiten schreiben, dann muß herausgestrichen werden, um auf die erforderlichen sechs Seiten zu kommen, die dann abgeschickt werden können. Keine ewigen Beschreibungen (von Menschen, Häusern, Landschaften und so weiter), wenn es die Geschichte nicht erfordert, sondern ein einziges Charakteristikum sorgsam ausgewählt kann schon ausreichen. Keine langen Gedankenmonologe oder Erklärungsversuche „was der Autor meint“.

Recherchen, die Wochen und Monate dauern können, sind notwendig, wenn man über Dinge schreiben will (oder muß), die man nur flüchtig oder vom Hörensagen kennt. Ein Mediziner kann zum Beispiel nicht – ohne Fachbücher zu studieren, Gespräche zu führen etc. – seinen Protagonisten Rinderfarmen leiten lassen, oder umgekehrt.

Statt Substantive mehr Verben (nicht: im Besitz sein, sondern: besitzen), und nicht zu viele Adjektive verwenden. Adjektive sind nur dann richtig, wenn auch das Gegenteil einen Sinn ergibt: echter Schmuck – unechter Schmuck. Es gibt aber keinen echten (unechten) Sommer ... außer – sehr sparsam – in der wörtlichen Rede. Schachtelsätze/Bandwurmsätze, Wiederholungen, Ausrufezeichen und Modewörter vermeiden. Unterscheiden Sie zwischen Trenn- Binde- und Gedankenstrichen. In wörtlichen Reden muß erkennbar sein, wer was fragt/antwortet – die Personen bekommen also jeweils eine neue Zeile. Sparsam mit Fremdwörtern umgehen – ausgenommen, sie sind fest eingebürgert, verständlich und nicht durch deutsche Wörter zu ersetzen. Keine abgenutzten Redensarten verwenden (vom Regen in die Traufe kommen/ kapitaler Hirsch ...) Im Text (dem Leser) Fragen zu stellen ist nicht sinnvoll, wörtliche Rede und gedachte, sparsame Monologe natürlich ausgenommen.

Wenn maximal acht Seiten für eine Anthologie ausgeschrieben sind, nicht neun Seiten einsenden. Verlage erhalten für Anthologieausschrei-bungen meist weit über 200 Texte. Autoren, die sich nicht nach den Ausschreibungsregeln richten haben selbst mit der besten Geschichte keine Chance, es wird oft noch nicht mal angelesen. Die Zahlen eins bis zwölf werden ausgeschrieben, ausgenommen beispielsweise Uhrzeiten. Keine Abkürzungen im Manuskript (usw., km, kg, ca. ...) – das wird alles ausgeschrieben. Nicht verkrampft nach Wörtern suchen. Es gibt nur eine deutsche Sprache, und man sollte sich nicht allzu weit vom Sprechdeutsch entfer-nen, nicht gewollt originell schreiben. Den eigenen Text immer wieder – sich selbst – laut vorlesen, überarbeiten, bis er Ihnen hundertprozen-tig gefällt. In der Hausbibliothek stehen außer Duden, Fremdwörterlexikon und diversen Nachschlagewerken mindestens zwei Synonyme-Bücher.

Bevor ein Manuskript auf den Weg gebracht wird:

• jeder Computer hat ein Rechtschreibprogramm – alte oder neue Rechtschreibung, keine handschriftlichen Ergänzungen im Manuskript,
• Titelung nicht vergessen (nicht den Titel der Anthologie-Ausschreibung verwenden),
• Seitenzahlen nicht vergessen, Seiten lose in Mappe/Hülle legen, nicht in Ordnern abheften,
• das Anschreiben ist höflich, kurz und bündig – ohne Lobhudelei, ohne persönliche Bemerkungen, ohne Manuskripterklärungen. Eventuelle Empfehlungen (anderer Autor, anderer Verlag) mit einem Satz erwähnen, nicht ausschweifig erklären.
• Die Vita ist sachlich (nicht bei Adam und Eva beginnen), maximal eine Seite: wann geboren, eventuell der Beruf, ob, wo und wann bereits veröffentlicht wurde. „Zahlreiche Beiträge in Literaturzeitschriften“ reicht, keine langatmigen Aufzählungen. Bei Buchveröffentlichungen: wann und wo. Wenn ein Verlag mehr wissen möchte, wird nachgefragt. Oft werden nur fünf bis sechs Zeilen Vita gewünscht, dann auch nicht mehr schreiben.
• Wenn ein Ansprechpartner namentlich bekannt ist, und er bereits im Adreßfeld vermerkt wurde, dann sollte man ihn auch ansprechen und nicht „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder „Hallo“ schreiben – Ihr Anschreiben ist schließlich Ihre Visitenkarte.
• Ausreichend Rückporto nicht vergessen – entweder für eine komplette Rücksendung oder lediglich ein Antwortschreiben.

• Für Roman-Manuskripte wird außerdem das Genre (Krimi, Mystik, Jugendbuch ...) angegeben und ein Inhaltsverzeichnis beigelegt. Auch hier kurz fassen, nur den Inhalt sachlich auf einer Seite wiedergeben ohne persönliche Anmerkungen,
• die Anzahl der Manuskriptseiten des vollständigen Romans vermerken.
• Vor allen Dingen immer erst fragen, ob und was der Verlag zur Beurteilung haben möchte.

Anmerkung: Nur Disketten/CDs schicken, wenn es ausdrücklich gewünscht wird.
Nicht ohne nachzufragen per E-Mail Stories zusenden, sie werden ungelesen gelöscht – nicht nur wegen Virusgefahr. Lektoren lesen nicht am Bildschirm, sondern sie sitzen bequem, studieren die Manuskripte mit einem Stift in der Hand, trinken Kaffee ... Es werden auch keine Texte von Autoren-HPs heruntergeladen. Autoren sollten die Wünsche der Verlage respektieren und nur das schicken, was angefordert wird.

Autoren schreiben nicht nur, sondern lesen, lesen, lesen – Werke bekannter und unbekannter Autoren. Und, so bitter es klingt: Familienangehörige, Freunde und Bekannte sind keine objektiven Kritiker. Das können sie nicht sein, denn sie mögen den Poeten, lesen seine Geschichten mit anderen Augen, wollen ihn nicht verbessern oder gar verletzen.

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Monika Wunderlich, VIRPRIV VERLAG; siehe auch virpriv.de)

Exposé-Anforderungen (vom Gmeiner-Verlag)

Allgemeines
Das Exposé soll einen Überblick über das Manuskript geben. Es ist zwar für den Autor ein Aufwand dieses zu erstellen, schafft aber die Grundlage für eine Entscheidung einen Titel zu veröffentlichen und bietet gleichzeitig für die zukünftige Vermarktung wertvolle Informationen. Es soll aus der Sicht eines Dritten formuliert sein. Die einzelnen Fragen unterhalb der Überschriften sind zu ersetzen und sollen nur ein Anhalt für die darstellenden Punkte sein.

Im Gmeiner-Verlag werden bei den Krimis Titel mit Regionalbezug und Serienfiguren bevorzugt.

Aufbau
Arbeitstitel:
Der Gmeiner-Verlag verwendet Titel, die nur aus einem Wort bestehen, um markant am Markt wahrgenommen zu werden. Diese Titel können auch aus zusammengesetzten Worten bestehen, sollen jedoch möglichst kurz sein.
Erläuterung des Titels. Warum heißt das Buch so? Welchen Bezug zum Inhalt hat der Titel?
Alternativvorschlag für den Titel.

Thema (Idee):
Um welches Thema dreht sich der Krimi? (In einem Wort die Bezeichnung/Thematik unter dem der Krimi vermarktet werden kann, z.B. Medizinkrimi, Golferkrimi, Bikerkrimi, Weinkrimi, ...)
Um was für eine Art Krimi handelt es sich? Hintergrundinformationen, Recherche (z.B. evtl. in kurzen Sätzen, wie die Polizeiarbeit recherchiert wurde) Welche ähnlichen oder vergleichbaren Titel gab es oder gibt es am Markt?

Kurzinhalt (Werbetext):
Ca. 2-3 Absätze, wie sie auf der Buchrückseite bzw. Programmvorschau abgedruckt werden. Das Ende der Geschichte muss hier nicht offenbart werden, die Handlung sollte kurz und knackig umrissen werden. Sie soll Interesse wecken das Buch zu kaufen.

Inhalt:
Darstellung der gesamten Geschichte auf ca. 1 Seite. Das Ende der Geschichte sollte hier offenbart werden (Motiv, Täter, Auflösung)

Figurenbiographien:
Hauptfiguren (nur die 2–3 wichtigsten). Alter, Aussehen, Charakter. Wer sind die Protagonisten der Geschichte, wer ihre Gegenspieler, wer die Platzhalter und Randfiguren? Was treibt die Figuren an? Wie sehen sie aus, was wollen sie und wie erreichen sie es?

Seriencharakter:
Wie sind die Hauptfiguren für weitere Titel ausbaubar? Worin besteht ein möglicher Seriencharakter? Wie könnten weitere Geschichten aussehen?

Regionalbezug:
Handlungsort(e), besondere Bezüge und Schauplätze.

Zielgruppe/Marketing:
Wer soll mit diesem Buch besonders angesprochen werden? Warum soll er gerade dieses Buch kaufen? Mit welchen Argumenten kann der Titel im Buchhandel von anderen abgegrenzt werden? Womit kann er verglichen werden? Was sind die Hauptcharakteristika für diesen Titel? Gibt es schon in der gleichen Region Krimis? Welche? Von wem? Ist der wichtigste Buchhändler in der Region zu einer Buchvorstellung bereit?

Motivation:
Warum hat man dieses Buch geschrieben und kein anderes? Wie ist man auf die Idee zum Roman gekommen? Welche Verbindung besteht zwischen Autor und Geschichte? (Formulierung aus Sicht eines Dritten, nicht in der Ich-Form)

Autor:
In 2-3 Sätzen soll eine Kurzdarstellung zum Autor erfolgen. Insbesondere soll seine Befähigung oder Bezug zum Thema herausgestellt werden. Dies ist auch die Information für den Leser auf der Buchrückseite. (Formulierung aus Sicht eines Dritten, nicht in der Ich-Form)

Darüber hinaus soll der berufliche Werdegang, Geburtsjahr, -ort angegeben werden (=Kurzlebenslauf). Die bisherigen Veröffentlichungen sollten ebenfalls erwähnt werden.
Welche Erfahrungen bestehen bezüglich Lesungen? Welche Beziehungen bestehen zu Buchhandlungen? Welche Kontakte bestehen zur Presse? Sind Sie Mitglied in Autorenvereinigungen (z.B. Syndikat, Sisters in Crime)?

Manuskriptumfang:
Anzahl Tastenanschläge (Buchstaben mit Leerzeichen)
Unter Microsoft Word sind sie unter dem Menü Datei -> Eigenschaften -> Statistik einsehbar.
Anforderung sind ca. 350.000 – 450.000 Anschläge.

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Gmeiner-Verlags. Dort kommt man zum Kontaktformular für Autoren und solche, die es werden wollen. Die Mails gehen dann an den zuständigen Mitarbeiter im Lektorat)