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Dienstag, 12. August 2008

Über Bewegung, Wasserkessel, Wut und das Wetter (Übers Erzählen. II)


Bewegung! Bewegung! Bewegung!


In der Kunst kommt es nicht darauf an, daß man Eier und Fett nimmt,
sondern daß man Feuer und Pfanne hat. (Karl KRAUS)

Um zu erreichen, dass Bilder im Leser entstehen und er so den Text sinnlich erfährt, gibt es die goldene Regel:

Setzen Sie alles, was Ihr Leser sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken und ertasten soll, in Bewegung um, sonst bleibt Ihre Geschichte blutleer.

Zwei Evangelisten berichten über dieselbe Rede Jesu, doch der eine – Lukas – spricht von einer Eigenschaft Gottes »… denn er ist gütig über die Undankbaren und Bösen« (6, 35), der andere – Matthäus – setzt sie in Bewegung um: »… denn er läßt seine Sonne auf¬gehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte« (5, 44–45).

Ludwig REINERS zeigt an einer weiteren Bibelstelle den Unterschied zwischen Bewegung und Bericht:
Als dem Belsazar sein Schicksal angekündigt wird, heißt es in der Lutherschen Übersetzung: »Aber ich ward sehr betrübt in meinen Gedanken und meine Gestalt verfiel …« Man sieht förmlich, wie der König vor Angst zusammenschrumpft; heute hat man Luthers Worte abgeändert in die banale Formel: »… und jede Farbe war aus meinem Antlitz gewichen.«
GIONO setzt in Triumph des Lebens Duft und Geschmack in Bewegung um, indem er Menschen in Bewegung setzt:
»Hol mir eine Handvoll Pfeffer, eine Handvoll Wacholder, zwei Gewürznelken, ein Lorbeerblatt, einen Stengel Basilikum, zwei Stengel Minze, einen Schirm Fenchel, Salz, Essig und ein Stück Speck ... Geht und holt mir, du ein Glas Schnaps, ein großes, du mageren Speck, du trockenen Thymian und Bindfaden. Du nimmst jetzt die Spicknadel; schlagt das Feuer nieder ... Reibt mir dies ganze Fleisch mit Branntwein ab« ...
Kein Gemälde könnte die Szene im Kohlhaas so anschaulich zeigen wie die Sprache:
Er war aber noch kaum unter den Schlagbaum gekommen, als eine neue Stimme schon: halt dort, der Roßkamm! hinter ihm vom Turm erscholl – und er den Burgvogt ein Fenster zuwerfen und zu ihm herabeilen sah. Nun, was gibt’s Neues? fragte Kohlhaas bei sich selbst und hielt mit den Pferden an. Der Burgvogt, indem er sich noch eine Weste über seinen weitläufigen Leib zuknüpfte, kam und fragte, schief gegen die Witterung gestellt, nach dem Paßschein.
Auch das Äußere des Burgvogts zeigt KLEIST anhand dessen Bewegungen.

Der Erzähler verwandelt die Bilder in seinem Inneren in Sprache, und der Leser wandelt die Sprache wieder in Bilder um.

Über Wasserkessel, Wut und das Wetter

»Es ist nur mühsam klarzumachen, daß schon der Satz ›Die Stadt machte einen verwahrlosten Eindruck‹ nicht ausdrückt, was der Schreiber gesehen hat, sondern nur, was er aus seinen Sinneseindrücken gefolgert hat – daß er sich also abstrakt ausdrückt und damit mögliches Leserinteresse verschenkt.
Was zum Beispiel könnte der Schreiber gesehen haben? Mauerschwamm und Fladen von abgeblättertem Putz, einen rostigen Heizkörper mitten auf der Straße, Unrat vor den Türen – nein, Unrat nicht, denn das ist ein weiter und kein enger Begriff und wieder eine Abstraktion: Scherben also, Plastikbecher, verfaulte Essensreste und Fäkalien. Nun hat der Leser jede Freiheit, sich das Wort ›verwahrlost‹ seinerseits hinzuzudenken, falls ihn das freut.
Diese Freiheit ist um so wichtiger, als aus denselben Beobachtungen ganz verschiedene Schlüsse gezogen werden können: Wenn in einem Wohnzimmer die Schrankwand aus Palisander ins Auge sticht, der Kaufhof-Teppich mit dem Orientmuster und der Schlag in den Paradekissen – dann sollte es, nach solch minutiöser Schilderung, dem Leser überlassen bleiben, ob er deutsche Gemütlichkeit oder eher eine Schreckenskammer vor sich sieht. Abstraktion kann in Bevormundung ausarten – noch ein Argument gegen sie.« (SCHNEIDER)
Der Leser möchte nicht über die Wut Hannas wegen der Untreue ihres Mannes informiert werden, sondern die Teller gegen die Wand fliegen sehen. Er möchte nicht erklärt bekommen, dass es regnet, sondern nass werden; er möchte nicht lesen, dass es schneit, sondern durch Schneeverwehungen stapfen. Wenn der Held über eine holprige Straße fährt, soll der Leser den aufgewirbelten Staub riechen, Kinder sehen, die am Straßenrand Ball spielen, Ölpfützen auf dem Belag. Der Autor muss den Sätzen seinen Herzschlag (REINERS) mitgeben.

Aber wie schafft er das?, höre ich Sie fragen. Darauf kann ich nur antworten: Setzen Sie das Kino in Ihrem Kopf in Worte um, tauchen Sie ein in die Szenen vor Ihrem geistigen Auge. Ebenso wenig wie Kino statisch ist, dürfen Ihre Schilderungen statisch sein. Lassen Sie den Leser erleben, was Ihre Heldin empfindet, wenn sie friert, nass wird oder fröhlich ist, indem Sie diese Empfindungen in Bewegung umsetzen. Noch einmal: Bewegung – Bewegung – Bewegung ist das Zauberwort.

Oft werden Sie den Kopf hängen lassen, weil Ihnen das nicht gelingt. Aber verzagen Sie nicht! Auch hier heißt es üben, üben, üben. Lesen Sie Bücher verschiedener Schriftsteller aus verschiedenen Ländern. Die Sinnlichkeit, mit der vor allem lateinamerikanische und asiatische, aber auch arabische Autoren ihre Welt und die (fiktiven) Menschen, die in ihr leben, zeigen, ist ein Lehrstück für viele deutschsprachige Autoren (und nicht nur Anfänger!). Vielleicht hilft es Ihnen, wenn ich gestehe, dass ich das Aha!-Erlebnis auch erst hatte, nachdem ich bei vielen Schreibseminaren gnadenlos kritisiert worden war. Bei einer Schreibaufgabe während einer Schreibwerkstatt dachte ich mir: Nun oder nie mehr, setzte mich wutentbrannt an meinen Tisch und schrieb eine Geschichte. Das war’s dann – ich hatte begriffen, wie es geht.

Überlegen Sie bei Texten, die Ihnen nicht gefallen, warum das so ist. Das kann schlicht und ergreifend daran liegen, dass Ihnen das Thema nichts sagt, doch wahrscheinlich missfällt Ihnen das Buch, weil die Figuren eben nicht leben – weil der Verfasser Sie nicht fühlen lässt. Lesen Sie nicht weiter, wenn er Wörter wie gutgelaunt gebraucht, denn dann hat er sein Handwerk nicht gelernt und das Lesen lehrt Sie nichts. Solche Ausdrücke sind abgedroschen und rufen deshalb keine Gefühle im Leser hervor.

Lernen Sie aus Ihren Misserfolgen – auch Misserfolge gehören zum Schriftsteller; sie sind für seine Entfaltung notwendig – und aus den Beispielen, die ich Ihnen hier biete. Verzweifeln Sie nicht, weil die Fülle der Beispiele Sie erschlägt – irgendwann »fällt der Groschen«, so wie er bei mir gefallen ist, und Heureka werden Sie sagen – Ich kann’s, ich habe es begriffen.

Wenn es dem Schriftsteller nicht gelingt, das Kino im Kopf in Worte umzusetzen, sieht der Leser nichts weiter als – Leere.

Wie können Sie nun Ihren Leser spüren lassen, dass der Held friert? Das lernen Sie zum Beispiel bei Andrew VACCHS: »Ich verfluchte die Kälte, während der Plymouth um eine weitere Ecke schlitterte, die Wischblätter kapitulierten fast vor dem bleiernen Schneeregen, der aus einem düsteren Himmel fiel wie Hohn.»

Und wie wird der Leser nass? Er geht mit Ludwig THOMAS Schormayer einen morastigen Weg entlang:
»Der Schormayer trat tiefe Löcher in die weiche Dorfgasse, wie er jetzt an dem trübseligen Herbstnachmittag heimging, aber er achtete nicht auf den glucksenden Lehm, der ihm an den Stiefeln hängen blieb. Wenn er vom Wege abkam und beinahe knietief in den Schmutz trat, fluchte er still und lenkte in die Mitte der Straße ein, aber bald zog es ihn wieder links oder rechts an einen Zaun, und er blieb stehen und brummte vor sich hin: ›Nix mehr is, gar nix mehr.‹ ›Himmelherrgott!‹ sagte er, wenn ein Windstoß in die Obstbäume fuhr und ihm kalte Regentropfen ins Gesicht schleuderte.«
Bei Rebecca WELLS Worten in Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern spannt der Leser den Regenschirm auf:
»Am nächsten Tag … nieselte es. Es war kein richtiger Regen, kein Regenschauer und auch kein Sprühregen. Sondern Nieselregen. Wenn Sidda ein Wort für Niederschlag eingefallen wäre, das auf eine passive Weise aggressiver war als ›Nieseln‹, hätte sie es verwendet. Zum ersten Mal begann sie zu verstehen, was May Sorenson gemeint hatte, als sie sagte, im Nordwesten wird sogar die Seele eines Menschen von Mehltau befallen.«
Und er zeigt größtes Verständnis für die Heldin, wenn er liest:
Sonja steckte den Kopf aus dem Fenster, zog ihn schnell wieder zurück, schüttelte sich. Bei dem Wetter jagt man ja keinen Hund auf die Straße. Sie setzte sich an den Rechner, schaltete ihn an, klickte new mail an und tippte: »Liebe Dagmar, ich nehme heute einen Urlaubstag. Kannst du bitte einen Urlaubsantrag für mich ausfüllen?«
Wir werden ganz neugierig bei diesem Auszug aus den Dornenvögeln von Colleen McCULLOUGH:
Am 8. Dezember 1915 hatte Meggie Cleary ihren vierten Geburtstag. Nach dem Abräumen des Frühstücksgeschirrs drückte ihre Mutter ihr wortlos ein braunes Papierpäckchen in die Arme und befahl ihr, nach draußen zu gehen. So hockte Meggie sich hinter den Stechginster beim Vordertor und begann, ungeduldig und mit ungeschickten Fingern am Einwickelpapier zu zerren.
Was wird Meggie aus dem Päckchen hervorholen?

Der Satz »Um zwei Uhr nachts wurde sie durchs Klingeln des Telefons geweckt« ist ein vollständiger Satz mit Subjekt und Prädikat, aber er informiert uns nur. So oder ähnlich können Sie das Aufwachen zeigen:
Monica tauchte schweißgebadet aus einem Traum empor, in dem tausend kleine Teufel ein ohrenbetäubendes Konzert aus tausend Fahrradklingeln veranstaltet hatten, der Oberteufel dreckig grinste und ein schwarzes Ungeheuer sie zu verschlingen drohte. Sie tastete nach dem Lichtschalter an der Nachttischlampe, riss dabei ihr Wasserglas um, das langsam über den Nachttisch rollte und auf dem Boden zerbrach. ›Mist‹, schimpfte Monica. Sie blinzelte zum Radiowecker hinüber: ›Welcher Idiot ruft denn schon wieder um zwei Uhr nachts an? (Jutta MILLER-WALDNER, Der Anrufbeantworter)
»Sie kochte eine Tasse Kaffee« ist ebenfalls eine Information. Gehen Sie mit Ihrer Heldin in die Küche:
Sie schlurfte in die Küche, ließ Wasser in den Kessel laufen, stellte ihn auf die Herdplatte, schob die Brille wieder auf die Nase und bückte sich ächzend, um die winzigen Symbole zu erkennen. Schließlich schaltete sie auf drei. (jmw, Als die Standuhr drei Mal schlug)
Ihr Leser ist sicher schon einmal in einen Swimmingpool gesprungen. »Laaaangweilig«, wird er bei dem Satz »Sie sprang in den Pool« sagen. Das sagt er aber nicht, wenn er UPDIKES Worte liest: »Mit unbeholfener Begeisterung stieß sich Polly von dem ratternden Brett ab und tauchte lachend durch das Tanggewirr ihrer Haare wieder auf.«

Schildern Sie auch banale Tätigkeiten wie das Zubereiten eines Salats oder Einkaufen so, dass der Leser sie sieht. Das gibt Ihrem Text erst Farbe. Wir sitzen mit Margot am Küchentisch und »schnippeln Tomaten, Gurken, Zwiebeln« (jmw, Und morgen werde ich 21), wir schauen in einen Einkaufswagen: »Ich sah die Frau die Fenster putzen, traf sie im Rewe-Markt an der Bushaltestelle, wenn sie den Einkaufswagen voll packte mit Säften, Butter, verschiedenen Sorten Marmeladen, stand manchmal neben ihr, wenn sie an der Wursttheke Prager Schinken, Zwiebelmettwurst und feine Leberwurst auswählte.« (jmw, Das Haus gegenüber)

Und wir wühlen mit Kutte in einem Abfallkorb:
»Er wühlte. Fand zwei in Alufolie gewickelte Schrippen – is doch meen Jlückstach heute –, wühlte weiter, zog eine viertelvolle Colaflasche heraus, eine halbleere Dose Red Bull, ein Überraschungsei, eine Sonnenbrille, deren linkes Glas verschrammt war, drei Sammelbilder für das Fußball-EM-Album mit Ballack, Lehmann und Klose. ›Nanu‹, wunderte er sich. ›Wat schmeißen die denn sowat wech?!‹ … Des weiteren fand er eine Barbiepuppe mit nur einem Bein, warf sie angewidert zurück. Fand eine Tarot-Karte. (jmw, Und Kutte lachte)
Wir verbarrikadieren uns nicht, sondern zeigen das: »Wenn Vater zu mir ins Zimmer hätte kommen wollen, hätte er eine Barriere überwinden müssen aus der Tür, meinem Sessel, einem Stuhl und dem Schreibtisch.«

Jeder Mensch kleidet sich morgens an, über solche Beschreibungen liest der Leser hinweg. Zeigen Sie ihm, wie eine Figur sich zurechtmacht:
Monica begutachte in ihrem Kleiderschrank Hosen und Pullover, bevor sie sich für die Jeans entschied, die sie am Vortag schon getragen hatte, und für ihren Lieblingspullover, den mit den rotweißblauen Streifen. Sie tupfte Hautcreme auf das Gesicht, tuschte die Wimpern und zwirbelte ihre aschblonden Haare zu einem Knoten zusammen.« (jmw, Der Anrufbeantworter)
– Hier sehen Sie auch die Person vor sich: nicht sehr modebewusst und nicht mehr jung. –

Beschreiben Sie also nicht, wie Ihre Figuren aussehen. Lassen Sie sich ein Foto anschauen, eine andere Figur über ihr Äußeres reden (beim Schminken oder Rasieren in den Spiegel zu schauen oder sich beim Spazierengehen in Schaufensterscheiben zu spiegeln, ist abgedroschen; lassen Sie sich etwas Neues einfallen), oder lassen Sie sie etwas Anschauliches tun. Kurt trägt eine Brille wirkt statisch, Kurt blickte über seine Brillengläser auf seine Schüler lebendig. Markus war nervös informiert, Markus kaute an seinen Fingernägeln zeigt. Verzichten Sie jedoch auf Einzelheiten. Lebendiger wirken Figuren, wenn sich das Bild, das sich der Leser von ihnen macht, aus ihren Handlungen ergibt. Überlassen Sie der Phantasie Ihres Lesers, sie sich auszumalen.

Wie schläft man ein? Wie wacht man auf? Wie lange dauern fünf Sekunden? Wie lang sind fünfhundert Meter? – Fünf Sekunden können lange dauern, fünfhundert Meter kurz sein. – Wie öffnet man eine Milchflasche? Darunter, dass jemand aufwacht, etwas öffnet, einige Sekunden lang zögert, die Treppe hinab läuft und fünfzig Meter zur Bushaltestelle geht, kann sich der Leser nichts vorstellen. Wenn Sie zeigen, wie jemand aufsteht, eine Milchflasche öffnet, eine Treppe hinab läuft, steht der Leser mit ihm auf, öffnet die Flasche, geht die Treppe hinab und läuft zur Bushaltestelle.

Wir wissen, dass Blut rot ist, auch der Hinweis, dass es nach Eisen schmeckt, ist wenig originell. SARAMAGO das Blut fühlen:
Das Blut fühlte sich klebrig an, es verwirrte ihn, er dachte, vielleicht, weil er es nicht sehen konnte, sein Blut hätte sich in eine farblose, klebrige Masse verwandelt, in etwas, das ihm zwar gehörte, aber dennoch wie eine Drohung gegen ihn wirkte.
Was ist ein spärlich möbliertes Zimmer? Lassen Sie Ihre Figur durch den Raum schlendern und schildern, was sie sieht. Thomas MANN zeigt das Haus der Buddenbrooks bei einem Rundgang des Konsuls mit einem Besucher:
Senator Langhans fragte: ›Da oben wohnst du also, Buddenbrook?‹ Rechts führte die Treppe in den zweiten Stock hinauf, wo die Schlafzimmer des Konsuls und seiner Familie lagen; aber auch an der linken Seite des Vorplatzes befand sich noch eine Reihe von Räumen. Die Herren schritten rauchend die breite Treppe mit dem weißlackierten, durchbrochenen Holzgeländer hinunter. Auf dem Absatz blieb der Konsul stehen. ›Dies Zwischengeschoß ist noch drei Zimmer tief«, erklärte er, ›das Frühstückszimmer, das Schlafzimmer meiner Eltern und ein wenig benutzter Raum nach dem Garten hinaus; ein schmaler Gang läuft als Korridor nebenher … Aber vorwärts! – Ja, sehen Sie, die Diele wird von den Transportwagen passiert, sie fahren dann durch das ganze Grundstück bis zur Bäckergrube.‹
Lassen Sie den Leser hören, wo Ihr Held wohnt. Welche Laute dringen von der Straße herein? Vogelgezwitscher oder hupende Autos, quietschende Straßenbahnen oder Nachbarn, die sich über die Straße hinweg unterhalten? Kindergeschrei oder kläffende Hunde?

Sie können auch einen Charakter anhand der Geräusche in dessen Wohnung zeigen: Welche Musik spielt das Radio, Liszts Prelude, You could be mine von Guns’n’roses oder Blau, blau, blau blüht der Enzian?

Geben Sie Bewegungen und Handlungen Ihrer Figur so wieder, dass sie anschaulich sind. Schreiben Sie nicht das, was Sie beobachten, sondern schlüpfen Sie in Ihre Figuren und seien Sie Roswitha oder Martin, ebenso wie Ihr Leser das macht, wenn Sie sie gut geschildert haben. Prüfen Sie bei allem, was Sie in Bewegung umsetzen, ob das so überhaupt möglich ist.


Doch Vorsicht:

Zuviel zeigen kann den Leser ermüden, nämlich dann, wenn es zum Geschwafel wird, wenn der Bezug zur Geschichte verloren geht oder der Leser das Gefühl hat, der Autor wolle ihm zeigen, was er so alles in Bewegung umzusetzen vermag. Manchmal genügt ein kurz und bündiges: »Es regnet« (vor allem, wenn Sie sonst alles meisterlich in Bewegung umgesetzt haben). Und noch eine Gefahr besteht: dass beim Zeigen falsche Bilder entstehen. Deshalb:

Prüfen Sie, ob das, was Sie in Bewegung umsetzen, so überhaupt möglich ist.

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